Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Wilhelm Wolfsohn
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 175 — Das zweite Gedicht „G ab rielRieß er" feiert mit einem noch heute wohltuenden Enthusiasmus und begeisterter Liebe den Rufer im Streit, dem sich der Dichter im Geiste nahefühlt. Ich war ein Kind, doch mit des Herzens Klang Ertönt es laut im heil'gen Doppelschlage, Und in die junge, Weiche Seele drang In Sturm und Feuer meines Volkes Klage. Kauni weiß ich noch, wie's plötzlich mir geschah — Ein Held erschien, jetzt kämpfend, nicht mehr trauernd — D u warst's! — du standst mir fern, und doch so nah, Und deinen Worten horcht ich ties erschauernd. Erzähltest so: „Es lebt ein Schwesterpaar — Wohl beid' anmutiglich und schön und blühend, Doch sanfter noch und mildern Herzens war Die älteste, in Frömmigkeit erglühend. Einst grollt die jüngste ihr in krankem Wahn, Sie faßt der Geist des Hasses und der Lüge; Und wütend greift sie ihre Schwester an, Verwundet sie, entstellt die schönen Züge. Und als vom langen Wahne sie genas. Sah sie die Schwester wund und gramverzehrt — Drob höhnte sie die Arme — und vergaß, Daß sie allein das schöne Bild zerstört!" Und sprachst's, und sieh, jetzt nahten alle dir, Die Edlen Jacobs und die treuen Brüder — Und du, du schwangst der Freiheit Lichtpanier, Und all' die grauen Nebel sanken nieder. O Held! dich lieb ich, wie ich nie geliebt — O weihe mich mit deinem Vatersegen! Daß ich erstarke, wenn mein Volk betrübt. Und Kämpfer ihm und Herzen führ' entgegen!