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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 174

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Wilhelm Wolfsohn
Date
1912-01-01
Page
Seite 174 (sequence 12)
Language
German
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— 174 — > / zurück und doch wäre es unhistorisch an diesem Teil seiner poetischen Arbeit vorüberzugehen. Vielmehr ziemt es sich gerade an dieser Stelle darauf besonders hinzuweisen. In der Sammlung „Veilchen" finden sich drei Gedichte, die vielleicht in der Form noch nicht ganz vollendet, für die Gesinnung des Dichters, nicht nur für die seiner Jugendjahre, sondern für die seines ganzen Lebens ungemein charakteristisch sind. Da die Sammlung unendlich selten geworden ist, so dürfen wohl die angedeuteten Verse hier mitgeteilt werden: Das erste Gedicht ist Ludwig Börne gewidmet, dem kühnen Kämpfer, zu dem der Dichter gewiß nicht nur das Bewußtsein zog, aus derselben Glaubensgemeinschaft zu stammen, sondern die Gleichheit der politischen Anschauung, und die richtige Erkenntnis des Börneschen Wesens. Es lautet so: Du Friedensarche auf der weiten Flut, Die in dem Strome eine Welt verschlungen, So schwebt sein Herz in hoher Sühnungsglut Durch unsrer Zeiten blut'ge Dämmerungen. Mißkennt ihn nicht, wenn aus dem Flammenmund Er Donner sendet, Steine zu erweichen — Seht ihr die Taub' in seines Herzens Grund? Sie hält den Oelzweig uns zum Friedenszeichen. Die Donner nahm er aus dem Kampf der Zeit, Da um die Freiheit Völker sich befehden; Der Kampf verhallet, wenn die Welt befreit. Und mit dem Kampfe seine Donnerreden. Des Herzens Stimme nahm er nicht der Zeit, Die muß im Frieden wie im Kampf erklingen; Die kennt nicht Zukunft und Vergangenheit, Die wird durch Welten und Geschlechter dringen. Die Stimme ist der Liebe Machtgebot — Sie waffnet ihn mit unfern Menschenrechten, Sie führte ihn durchs Leben bis zum Tod, Sie wird vor Feind und Freunden ihn verfechten!

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