Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Wilhelm Wolfsohn
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 7)
- Language
- German
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169 bekannt und gestatten uns das Verhältnis beider als ein ungemein intimes und herzliches zu genießen. Auerbach spricht in seinen Briefen allerdings, wie er das gern tut, mehr von seinen Empfindungen, seinem äußeren Leben und seiner schriftstellerischen Tätigkeit, aber er gibt auch manchmal, wie wir noch hören werden, Urteile über die literarischen Arbeiten des Freundes. Es knüpfte sich zwischen beiden Männern ein herzliches Bündnis, seit 1862 waren sie auch durch das brüderliche „Du" geeint. Auch in den Briefen Berthold Auerbachs an seinen Vetter Jakob finden sich einzelne Aeußerungen über Wolfsohn, vergl. 1. November 1856, 20. Juni 1860, 26. Juni 1861. Die letztere Aeußerung ist besonders wichtig, weil sie zeigt, daß auch in jenem Jahre Wolfsohn noch einmal eine Reise nach Petersburg unternommen hat. Auch als Auerbach 1863 auf kürzere Zeit wieder einmal in Dresden war, war er mehrmals mit Wolfsohn zusammen und konstatierte, daß er gut und herzlich sei wie ftüher. Am 8. November 1852 wurde dem Paare ein Sohn geboren, dem noch mehrere Kinder folgten. Da Gatte und Gattin kein nennenswertes Vermögen besaßen, so mußte der Unterhalt für die Familie durch eifrige Arbeit gewonnen werden. Journalistische und Uebersetzertätigkeit wurden emsig gepflegt; in den 50 er Jahren traten dann die Einnahmen, für jene Zeit gewiß nicht sehr beträchtlich, aus den vielfachen Aufführungen der Dramen hinzu. Eine feste Stellung 'bekleidete Wolfsohn nicht. Wie weit die von ihm herausgegebene „Russische Revue", die sich später zu einer „Nordischen Revue" erweiterte, seine Einnahmen vergrößerte, ist nicht bekannt. Für seine Dramen fand er in Rudolf Kuntze in Dresden einen Verlagsbuchhändler, der ihn honorierte. Seit 1856 war er von dem sächsischen Ministerium beauftragt, monatlich zwei Aufsätze für die wissenschaftliche Beilage der Leipziger Zeitung zu liefern, die unter dem Titel „Kulturfragen" erschienen und großes Aufsehen machten. Dazu kam der Ertrag seiner Vortragsreisen, die sich, wie wir sahen, noch Anfang der 60 er Jahre wiederholten; das Ein-