Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Wilhelm Wolfsohn
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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168 schienen; er enthält jedoch eine so vortreffliche Einleitung und eine so gute Übersetzung des berühmten „Liedes vom Heere Jhors" und so vortreffliche Uebertragungen aus den ersten Perioden der russischen Literatur, daß er auch selbständig einen Wert beansprucht". In den folgenden Jahren führte Wolfsohn gewissermaßen ein Nomadenleben, das zwar seiner Natur nicht entsprach, aber hervorgerufen wurde durch die Bemühungen, sich mit einer Christin, Emilie Gey zu verheiraten. Er hatte sich mit ihr im Oktober 1840 verlobt. Da weder Emilie zum Judentum, noch Wolfsohn zum Christentum übertreten wollte, war eine Verbindung des Paares in jener Zeit ungemein schwierig. Die großen Staaten, wie Preußen und Sachsen blieben ausgeschlossen, Weimar und Braunschweig, auf die das junge Paar seine Hoffnungen gesetzt hatte, versagten, endlich gelang es in Dessau das gewünschte Ziel zu erreichen. Daher schlug Wolfsohn nach mancherlei Irrfahrten seinen Wohnsitz in Dessau auf, wo am 31. Dezember 1861 die Trauung vollzogen wurde. Das junge Paar lebte eine Zeitlang in der kleinen Residenz, wo sie u. a. auch Theodor Fontanes und seiner Gattin Besuch erhielten. Indessen, die kleine Stadt bot ihm zu wenig geistige Anregung und zu wenig Möglichkeit, sich literarisch zu betätigen. Vielleicht bereitete auch sein Unabhängigkeitssinn ihm Unannehmlichkeiten: er war, wie Fontane scherzte, der einzige Mensch in Dessau, der vor einem herzoglichen Wagen den Hut nicht abnahm. Aber das entscheidende Moment war wohl die gezwungene Einsamkeit, in der Wolfsohn in Dessau lebte. Er bedurfte, wie gleichfalls Fontane sich einmal ausdrückte, „befreundeter Herzen und ermunternder Worte". Solche Freunde hoffte er in Dresden zu finden und gewann sie in Berthold Auerbach und Otto Ludwig. Von der Freundschaft mit dem Letzteren ist nichts Näheres bekannt; da beide Männer beständig an demselben Orte lebken, so war der Verkehr gewiß ein mündlicher, schriftliche Zeugnisse sind nicht vorhanden. Dagegen sind uns die Briefe Berthold Auerbachs an Wolfsohn