Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Wilhelm Wolfsohn
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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165 Der von Wolfsohns Sohn herausgegebene Briefwechsel beider Männer ist ein schönes Zeugnis echter Freundschaft. Fontane suchte den Freund aufzurütteln, ihn zu Vorlesungen in Berlin zu bestimmen, für die er ihm guten Erfolg verhieß. Er war bereit, wenn der Freund ihn besuchte, trotz seiner schmalen Mittel, alles für ihn zu bezahlen. Er begleitete seine persönlichen Schicksale, seine Vorlesungen und dichterischen Versuche mit teilnehmender Aufmerksamkeit und kargte nicht mit seinem Lobe. Er äußerte seine Freude über die erfreulichen Ereignisse in Wolssohns Leben und sendete Frau und Kindern herzliche Grüße und Glückwünsche. Aber der Briefwechsel ist doch weit bedeutender durch die Briefe Wolfsohns als die Fontanes. In diesem Bündnis erscheint nicht der später so hochberühmte, sondern der weniger bekannte Schriftsteller als die eigentliche Hauptperson. Wolfsohns Briefe beweisen, wie kräftig er für den Freund eintrat. Schon in den 40er 'Jahren machte er in seinen Petersburger und Warschauer Vorlesungen die dortige deutsche Kolonie und die des Deutschen beflissenen Russen aus Fontanes Balladen und sonstige Gedichte aufmerksam, zu einer Zeit, da in Deutschland noch niemand von ihn: wußte. Er bemühte sich dem dichtenden Freunde einen Verleger für sein Erstlingsbuch „Von der schönen Rosamunde" zu verschaffen (vermutlich ein jüdischer Verleger: Katz in Dessau) und machte mannigfaltige Versuche das Werk durch Vorlesungen von Rezitatoren bekannt zu machen. Er machte große Anstrengungen ihn zum Korrespondenten für die Dresdener Zeitung, ein demokratisches Blatt, zu gewinnen, was auch zunächst gelang, aber keine Dauer haben konnte, da Fontanes altpreußische Gesinnung den Tendenzen der Zeitung widersprach. Er brachte den Freund ferner mit dem unternehmenden Buchhändler Keil in Leipzig in Verbindung. Als Wolfsohn 1861 in Gemeinschaft mit Robert Prutz das „Deutsche Museum" begründete, gab er sich undenkliche Mühe Fontane dauernd an das Blatt zu fesseln, veröffentlichte literarische Korrespondenzen von ihm, drängte ihn dazu, auch politische Korrespondenzen für das Blatt zu schreiben, sah aber