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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 160

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Das Gesetz der Heiligkeit und Liebe
Date
1912-01-01
Page
Seite 160 (sequence 15)
Language
German
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IRI
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~ 160 — Gesetzes, ein; ferner gewisse Vorschriften, die sich aus nachbarliche Rücksicht sowohl wie auf freundliches Benehmen gegen den Nebenmenschen beziehen/?) Schuld an der Zerstörung Jerusalems, so sagte man, war die Sünde, daß sie auf dem Gesetz der Thora * 2 3)' bestanden, dabei aber das Gesetz der Liebe verletzten. Nach anderen stammt diese Vorschrift, nicht auf dem Gesetz der Thora zu bestehen, sondern barmherzig zu handeln, von Exod. 18, 20 her, wo Moses besohlen wird, Israel mit dem Gesetz bekannt zu machen und mit den guten Handlungen, die noch über das Gesetz hinausgehen?) Als praktisches Beispiel für dieses Gesetz der Güte zitieren wir hier folgenden Fall: Rabba bar bar Ghana hatte einen Streit mit Fuhrleuten, die (während ihrer Arbeit) ein Faß Wein zerbrachen. Er nahm ihnen darauf die Kleider weg; da brachten sie bei Rab eine Klage gegen ihn ein. Rab sagte zu ihm: ״Gib ihnen ihre Kleider zurück!" Darauf fragte Rabba: ״Ist so das Gesetz?" Er sagte: ja, (wie geschrieben steht) ״Du sollst wandeln in den Wegen der Guten." (Prov. 2, 20) Er gab ihnen die Kleider zurück. Darauf sprachen die Fuhrleute: ״Wir sind arm und haben den ganzen Tag gearbeitet, und jetzt sind wir hungrig und haben nichts zu essen." Rab sprach: ״Bezahle ihnen ihren Lohn." Darauf fragte Rabba wieder: ״Ist so das Gesetz?" Er sagte: ja, (wie geschrieben steht) ״halte ein den Pfad der Recht-- ף Vgl. Nachmanides' Kommentar zu Deut. 6, 18. Vgl. Deut. 12, 28 und 14, 19. Vgl. auch Sifre, 91a und 94 a zu diesen Versen, Vgl. auch Maimonides 8 ,14 בשפנים, Text und Kommentare. 2) Baba Mezia, 13 b. 3) Vgl. Mechilta, 59 b; Baba Mezia, 80 b; dgl. auch Pseudo- Jonathan zu diesem Verse in Exod., wo betont wird, daß diese barmherzige Handlungsweise, die noch über das Gebot hinausgeht, auch auf die Bösen ausgedehnt werden sollte. דין und לפנים משורת הדין korrespondieren oft mit מדת הדין und מדת הרחמים*, der Eigenschaft des Gesetzes oder der Gerechtigkeit und der Eigenschaft der Gnade. Vgl. Jer. Baba Kama, 66. Man beachte den Gebrauch dieser Anthropomorphismen.

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