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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 158

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Das Gesetz der Heiligkeit und Liebe
Date
1912-01-01
Page
Seite 158 (sequence 13)
Language
German
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158 — abtrünnigen Sohne Absalom floh, soll Husai ihn gefragt haben: ״Warum hast Du eine Kriegsgefangene geheiratet?" Denn nach einer rabbinischen Legende war Absaloms Mutter Maacha (2. Sam. 3, 3) eine Frau, die im Kriege gefangen genommen war. Husai erklärte so das Unglück, das David befallen hatte, durch diese unselige Heirat. Aber David antwortete ihm: ״Hat der Barmherzige nicht solche Heirat gestattet?" (Deut. 21, 10—13) worauf Husai entgegnet: ״warum hast Du nicht den Befehl der Schrift an jener Stelle studiert?" Mit anderen Worten: die Tatsache besteht, daß das Gesetz vom verstockten und rebellischen Sohn den Vorschriften über kriegsgefangene Frauen unmittelbar folgt (Deut. 21, 18 — 21), ein Zeichen, daß die Thora, ohne sie absolut zu verbieten, eine solche Heirat nicht völlig billigte und voraussagte, daß der Sprößling einer solchen Ehe den Eltern wahrscheinlich eine Quelle des Unglücks werden würde?) Die Verschärfung des Gesetzes, deren Vernachlässigung David so schrecklich büßen mußte, wird also durch keinerlei gegnerische oder außerhalb stehende Vorschriften zustande gebracht, sondern nur durch eigene Auslegung und Erweiterung. Als anderes Beispiel dieser Art zitiere ich folgendes, das, im alten rabbinischen Stil wiedergegeben, so lauten würde: ״Wir haben gehört, daß geschrieben steht, ״Du sollst nicht töten." (Exod. 20, 13) Man sollte meinen, daß das Verbot sich auf wirklichen Mord beschränkt. Aber es gibt auch andere Arten des Blutvergießens. So z. B-, wenn man einen Menschen öffentlich beschämt und dadurch veranlaßt, daß das Blut aus seinem Gesicht zurücktritt. Dieses Gefühl zu verursachen, ist daher ebenso schlimm wie Mord, und wer sich dessen schuldig macht, verliert seinen Anteil an der zukünftigen Welt?) Dann haben wir gehört, daß geschrieben steht, ״Du sollst nicht ehebrechen." (Exod. 20, 14) . Aber der Satz in Hiob (24, 15) ״auch das Auge des Ehebrechers wartet auf die Dämmerung," lehrt uns, 1j Sanhedrin, 107 a. 2) Vgl. Baba Mezia, 09 a.

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