Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Das Gesetz der Heiligkeit und Liebe
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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157 bedingt Verbotene einzeln aufgezählt hatte, zuin Schluß ein allgeineines Gesetz (der Heiligkeit), um zu zeigen, daß wir uns ebenso zurückhalten müssen von Unmäßigkeit. So sollte z. B. selbst erlaubter geschlechtlicher Verkehr einer gewissen Einschränkung (nämlich Heiligung) unterwarfen und so davor geschützt werden, in rein tierische, Lust auszuarten. So sollte der Weingenuß auf ein Minimum beschränkt werden; wird doch der Nasir heilig genannt, weil er sich vom Trünke fern hält. So sollten wir unseren Mund und unsere Zunge davor hüten, sie durch Gier und durch niedrige Worte zu verunreinigen. In der Tat, der Mensch sollte sich bemühen, einen ähnlichen Grad von Heiligkeit zu erreichen wie R. Chija, der nie in seinem Leben ein müßiges Wort aussprach. Die Schrift warnt uns, rein, lauter zu sein, und abgesondert von der Menge, die sich mit eitlem Tand und Schändlichkeit befleckt, zu leben?) Man wird bemerken, daß diese Verschärfung des Gesetzes von Nachmanides nicht als neue Offenbarung betrachtet wird. Nach ihm ist sie stillschweigend inbegriffen in das allgemeine Heiligkeitsgesetz der Schrift. Da aber der Begriff Heiligkeit nicht scharf bestimmbar ist, kann er auf beliebige Weise ausgedehnt werden. Auch waren die Rabbiner sich keiner Einführung von Neuerungen oder Zusätzen zur Thora bewußt, als sie das Gesetz verkündeten: .,Heilige Dich durch Enthaltsamkeit von erlaubten Dingen"; ein Grundsatz, der sich sowohl auf rituelle Dinge wie auf Moral und Benehmen bezog?) Dem Anscheine nach betrachteten sie es nur als einen Zaun (Geder), der den Menschen davor bewahren sollte, die von der Thora selbst gezogenen Grenzen zu durchbrechen. Sehr lehrreich ist nach dieser Hinsicht die Unterhaltung, welche der Talmud dem König David und seinem Freunde Husai dem Architen in den Mund legt. Als David vor seinem *) Pentateuch -Kommentar zu Lev. 19, 2. 2) Vgl. Rokeach das.; dort werden aus diesem Satze bindende Vorschriften abgeleitet, sowohl solche, welche die Speisegesetze betreffen, wie auch solche, die sich auf gutes Betragen beziehen.