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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 156

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Das Gesetz der Heiligkeit und Liebe
Date
1912-01-01
Page
Seite 156 (sequence 11)
Language
German
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sind." *) Rabbi Elieser von Worms, der einem seiner Kapitel über ״Vorschriften der Chasiduth" diesen Satz als Motto gibt, erklärt ihn so: ״Heilige Dich und Deine Gedanken, denke nach über die Einheit (Gottes, denke daran), wem Du dienst, wer Dich beobachtet, wer Deine Taten kennt, und zu wem Du zurückkehren wirst. Daher sei (in rituellen Fragen) hart gegen Dich selbst, milde gegen andere. Die Thora kommt der Schwäche des Fleisches in gewissen Fällen entgegen, (daher kann das Gesetz nicht immer als höchste Richtschnur sür das Benehmen gelten.) Bekräftige selbst die Wahrheit nicht durch einen Schwur .... Halte Dich fern von allem Bösen (Deut. 23, 11), was unter anderem bedeutet, nicht einmal unreine Dinge zu denken usw * 2). Ein unheiliger Gedanke war nach rabbinischer Anschauung der Vorläufer einer unheiligen Tat, und der ideale Heilige mußte so reiner Hand wie lauteren Herzens sein, unfähig, etwas Unheiliges zu tun und zu denken. Sehr gut gibt Nachmanides den Gedanken wieder. Sein Kommentar zur rabbinischen Umschreibung von Lev. 11, 44 ״wie ich abgesondert bin, so sollt Ihr abgesondert sein," kommt zu folgendem Resultat: Nach meiner Meinung ist mit dem talmudischen Ausdruck פרישות Absonderung nicht die Enthaltung von Arayoth (geschlechtlicher Verkehr, der in der Bibel verboten ist> gemeint, sondern etwas, was jenen, die sie ausüben, den Namen Peruschim gibt. Die Sache liegt so: die Thora hat Arayoth sowohl wie bestimmte Speisen verboten, hat aber den Verkehr zwischen Eheleuten sowohl wie Fleischessen und Weintrinken gestattet. Aber selbst innerhalb dieser Grenzen kann ein Mann mit entarteten Begierden ein Wollüstling, ein Trunkenbold, ein Schlemmer werden, er kann eine unheilige Sprache führen, da kein deutliches Verbot gegen diese Dinge in der Thora steht. Ein Mann könnte also der schlimmste Wüstling sein mit Genehmigung der Thora. Daher gab die Schrift, nachdem sie das un- ג) Sifre, 95 a; Jebamoth, 20 a. 2) R. Eleaser von Worms, Einleitung zum Rokeach.

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