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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 155

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Das Gesetz der Heiligkeit und Liebe
Date
1912-01-01
Page
Seite 155 (sequence 10)
Language
German
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loo Heiligkeit, die sich über das Gesetz erhebt und die, wie schon in den einführenden Worten des Kapitels angedeutet wurde, besser durch das Wort Chasiduth (Frömmigkeit) wiedergegeben wird. Das Charakteristische des Chosid ist — wie irgendwo bemerkt wird — daß er nicht auf einen bestimmten Befehl wartet. Er bemüht sich, seinem Schöpfer wohlgefällig zu sein, und ergründet wie ein guter Sohn den Willen seines Vaters, indem er von dessen ausdrücklichen Wünschen auf die Art und Weise schließt, wie er ihm Freude machen könne?) Daher die Neigung des Chosid, sich einem Gesetz oder einer bestimmten Gruppe von Gesetzen mit mehr Eifer und Selbstaufopferung zu widmen als anderen; eben je nach seiner besonderen Gemütsrichtung und persönlichen Auffassung vom väterlichen Willen. So sieht Rab. Judah ״Werke der Heiligkeit" darin, daß man dem Traktat Nezikin (Schäden) besondere Aufmerksamkeit widmet. Dieser behandelt die Gesetze über Rückgabe verlorener Güter, das Verbot des Wuchers usw., Vorschriften, wie man den Nebenmenschen vor jeglicher Beleidigung schützen müsse. Rabba wieder betrachtet es als Chasiduth, wenn man den Traktat Aboth befolgt, Wohl gemerkt ein Traktat, in dem Ritualvorschriften gänzlich fehlen, der sich auf sittliche und geistige Ratschläge der alten jüdischen Autoritäten beschränkt. Ein anderer (anonymer) Verfasser meint, Chasiduth bestehe in genauer Beobachtung der Gesetze, die in dem (liturgischen) Traktat Berachoth (Segenssprüche) vorgeschrieben sind. Gebet und Danksagung standen eben für diesen Rabbi im Brennpunkt des religiösen Interesses. 2) Das Prinzip der Chasiduth ist vielleicht an: besten durch folgende talmudische Formel zusammengesaßt: ״Heilige Dich sogar in jenen Dingen, die Dir erlaubt ') Vgl. Luzzatto, מסילת ישרים ed. Warschau. S. 24k. 2) Vgl. Baba Kama, 30 a, Text und Kommentare, besonders רץ zur entsprechenden Stelle im רב אלפס* Betreffend die zehn Dinge der Chasiduth, die Rab beobachtet haben soll, sein Gemisch von Zeremonien und Moral) vgl. Sefer Ha-Orah, ed. Buber, S. 3 u. 4.

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