Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 150

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Das Gesetz der Heiligkeit und Liebe
Date
1912-01-01
Page
Seite 150 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111096-3115684--4130-3115849
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

150 dient.1) Die Nachahmung geht so weit, daß Gott auch als Muster sür gute Sitten dasteht. So sagen z. B. die Rabbiner: ״Laßt den Menschen Anstand und Sitte von dem Allgegenwärtigen lernen." Gott wußte wohl, daß es in Sodom und Gomorrah keine redlichen Menschen gab, aber er unterbrach Abrahams Fürsprache für diese Städte nicht, sondern wartete ab, bis er mit Bitten aufhörte und nahm sogar Abschied, ehe er sich von ihm trennte?) Es ist bemerkenswert, daß diese Gottähnlichkeit sich auf Kundgebungen seiner Liebe und Güte beschränkt. Die Rabbiner äußern nicht den Wunsch, daß der Jude Gott nacheifere in Strenge und unerbittlicher Gerechtigkeit, obgleich es an Zügen dieser Art in der Bibel nicht mangelt. Interessant ist in dieser Verbindung die Art und Weise, in welcher das Gebot der Nachahmung von späteren Autoritäten in ein System gebracht wurde. ״Der Heilige, gelobt sei er, befahl, daß der Mensch sich seinen Wegen anschließen sollte", wie geschrieben steht: ״Du sollst Gott den Herrn fürchten, ihm dienen und an ihm hangen." (Deut. 10, 19) Wie aber kann der Mensch der Schechinah anhangen? Steht nicht geschrieben: ״Denn der Herr Dein Gott ist ein verzehrendes Feuer, ein eifervoller Gott? (Deut. 4, 24) Aber hange seinen Wegen an; wie Gott die Kranken wartet, so sollst auch Du sie warten, und so fort."^) Der Zug der Eifersucht wird völlig ignoriert, aus der Gnade und Barmherzigkeit Gottes aber bildet sich das Sittengesetz des Menschen. In der Tat wird ausdrücklich gelehrt, daß der Mensch in folgenden vier Dingen, die Gott allein als Mittel dienen. *) Vgl. Jer. Bikkurirn, 66 c u. Lev. Rab., 35, 3. 2) Vgl. Derekh Erez Rabba, Talmud, Kap. 5. Ich ergänze die Stelle durch .die Parallelstelle in Aboth Rabbi Nath. 563. Vgl. auch Gen. Rab. 8, 8; Tanchuma, I 28b; u. Sukkah. 30a. 3) R. Eliezer von Metz, יראים *IDO, § 5. Vgl. auch Mairnonides Buch der Gesetze, Gebote No. 6.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.