Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Das Gesetz der Heiligkeit und Liebe
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 2)
- Language
- German
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147 5enn heilig bin ich, der Ewige, Euer Gott." (Lev. 19, 2). Diese Worte werden von dem Mischnah-Lehrer Abba Saul folgendermaßen gedeutet: ״Israel ist die familia (Gefolge oder Leibgarde) des Königs (Gottes), daher liegt es ihm ob, dem Könige nachzueifern. 1j Denselben Gedanken drückt in anderen Worten noch ein Rabbiner aus, der den eben zitierten Vers aus Leviticus so umschreibt: ״Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig. Weshalb? Weil ich Euch mir angeschlossen habe", wie der Prophet sagt: ״Sowie der Gürtel an die Lenden eines Mannes anschließt, so habe ich mir angeschlossen das ganze Haus Israel." (Jer. 13, ll)2). Ein anderer Rabbiner bemerkte: ״Gott sprach zu Israel, noch ehe ich die Welt schuf, wäret Ihr mir geweiht; seid daher heilig, wie ich heilig bin"; und er fährt fort: ״Das ist zu vergleichen mit einem Könige, der eine Frau heimführte und zu ihr sagte: Da Du mein Weib bist, so ist mein Stolz auch der Deine, sei daher heilig, wie ich heilig 5m."3) Mit anderen Worten: ״Israel steht in derselben Beziehung zu Gott wie die familia zum König, wie das Weib zum Gatten, die Kinder zum Vater."4) Daraus folgt, daß sie ihn als Vorbild nehmen und in Heiligkeit ihm nachstreben sollen. Bevor wir dazu übergehen, einige Beispiele, die die rabbinische Literatur für diese Nachahmung Gottes oder Heiligkeit angibt, zu bieten, muß bemerkt werden, daß der hebräische Ausdruck Keduschah sich nicht ganz mit unserem Worte ״Heiligkeit" deckt. Das Mystische und Uebersinnliche des Begriffs wird im Hebräischen besser durch das Wort Chasiduth (Frömmigkeit) wiedergegeben ‘) Sifra, sä. Seife, 86c. Vgl. Bacher, Agada Tan., 2, 387, und I. Lewy, lieber einlge Fragmente aus der Mischna des Abba Saul, S. 23. 2) Tanchuma, III, 37b. Vgl. auch Pesikta Rab Kahana, 16a. 3) Tanchuma, III, 37 a. ף Vgl. Lev. Rab, 24, 4.