Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 140

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1912-01-01
Page
Seite 140 (sequence 78)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111096-3115683--4119-3115839
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

140 -seine Empfindlichkeit, Reizbarkeit, Nervenschwäche, die schnelle Erregtheit, das leicht Gerührtsein und infolgedessen die Neigung, Tränen zu vergießen. Man trage der Frauennatur Rechnung; nehme sich in acht, die Frau zu kränken, bringe sie nicht zum Weinen und beuge der Träne vor. “x) Ihr eigenes inniges Familienleben gewährte den alten Weisen einen tiefen Einblick in das Menfchenherz und ermöglichte es ihnen, den rechten Maßstab an Menschenleid und -schmerz zu legen. Wo die Herzen in Wahrheit verbunden waren, da schlägt der Tod des einen Gatten dem andern eine unheilbare Wunde. Der überlebende Gatte mag nach dem Tode der ersten Frau aus verschiedenen Gründen sich veranlaßt sehen, eine zweite Ehe einzugehen, Ersatz für die erste Frau findet er nichts, er mag der zweiten Frau in voller Treue verbunden sein, die verstorbene vergißt er nichts) in der zweiten Ehe kann man ein ehrbares Haus ausbauen, mit dem Ableben der ersten Frau wird Jedem ein Heiligtum zerstört. Dasselbe, vielleicht noch in verstärktem Grade, gilt von der Frau beim Ableben ihres Mannes. Hier besteht, wenn das Eheleben ein inniges gewesen, volle Gegenseitigkeit. Allen anderen, den Verwandten, Angehörigen, Freunden, Allen, die durch den Tod eines Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden, werden Herzenswunden geschlagen, alle mögen Verluste erleiden, aber die Wunden vernarben, man sucht den Verlust zu ersetzen; zwischen Gatte und, Gattin, meint der Talmud, ist es nicht so, die Wunde vernarbt nicht, der Verlust kann nicht ersetzt werden. ״Es stirbt der Mann nur seiner Frau, die Frau nur ihrem Manne."ö) Die Talmudlehrer haben es auch nicht versäumt, die Innigkeit des ehelichen Verhältnisses, das an sich doch *) B. rnezia 59 a. 2) Agadat bereschit 34. 3) Sanhedrin 82 a. ף Das. 22b. 5) Jebarn. 63 a.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.