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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 137

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1912-01-01
Page
Seite 137 (sequence 75)
Language
German
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137 Hand anzuhalten.Bestätigen dies Beispiele aus der Bibel, so wird uns an anderer Stelle von einem Entgegenkommen der Frau erzählt. R. Gamaliel erinnert nn den schon erwähnten, wohl schon zu seiner Zeit alten Brauch, der am 16. Ab und am Versöhnungstag stattfand. Diese zwei Tage wurden als die schönsten Feste Israels angesehen, denn an diesen zogen die Töchter Israels in Weißen, geliehenen Kleidern unter Tanz und Musik in die Weinberge, wo sich auch heiratslustige Männer einfanden. Die Schönen priesen ihre Schönheit, die Vornehmen wiesen aus den Adel ihrer Familie hin, die beides entbehrten, sprachen: Gehet die Ehe ein zur Ehre des Gottesnamens. Schmücket ihr uns, so werden wir auch schönt) Der Brauch muß uralt und von den umwohnenden Völkern, bei denen solche Bräuche zweifellos bestanden haben, herübergenommen worden sein. Auf jüdischem Boden ist er Wohl nicht entstanden. Wenn die zwei Momente: daß die Kleider geliehen sein mußten, um jene nicht zu beschämen, die nicht im Besitze eines Weißen Kleides waren, wenn Jünglinge und Männer aufgefordert wurden, die Ehe zur Ehre Gottes einzugehen, jüdische Anschauung bekunden, so können jene Momente dem Brauche später hinzugefügt worden sein. Ist die Ehe geschlossen, so erwachsen dem Manne ernste Pflichten. In der Ehegemeinschaft soll das Leben beider Ehegatten seinen eigentlichen hohen Wert erhalten. Die Talmudlehrer begnügen sich nicht mit der Forderung, daß der Gatte der Gattin Nahrung, Kleidung usw. nicht versage, vielmehr soll sie in ihm denjenigen finden, der sie die ideale Seite des Lebens schätzen lehrt, sie auf der geistigen Höhe hält, sein Bestreben muß dahin gerichtet fein, ihr auch nach außen eine möglichst ehrenhafte Lebensstellung zu verschaffen. Auch hierin mag die Wertschätzung der Frau gesehen werden, daß sie Wohl an der vom Gatten errungenen sicheren und geschätzten. Lebensstellung teilnimmt, aber nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, *) Kid duschin 2 b. 2) Taanit 26 b u. 31a.

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