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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 135

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1912-01-01
Page
Seite 135 (sequence 73)
Language
German
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— 135 — schlechter unversehrt erhalten ist, wobei, für jene Zeit und für den Orient Wohl ausreichend, Rücksicht auf die geistige Entwickelung und die wirtschaftlichen Verhältnisse genommen wurde. Als zweiter Grund für das Eingehen der Ehe gilt das biblische Gebot: Es ist für die natürliche Fort? Pflanzung zu sorgen (Genes. 1, 28). Zur Verstärkung dieses Gebotes wird oft das Prophetenwort herangezogen: Nicht daß sie (die Erde) öde sei, hat er (Gott) sie geschaffen, daß sie bewohnt sei, hat er sie gebildet (Jes. 45, 18). Von diesen sittlichen und natürlichen Gründen abgesehen, wird als dritter Grund angeführt, daß die Ehe eine den Mann beglückende, freudenspendende Institution ist. Der Talmud stellt die Sache so dar, daß weniger die Frau in dem Männe, als dieser in ihr Lebenslust und Freude zu suchen und zu finden hat. Diese Darstellung ist für die Anschauung des Talmud charakteristisch. Der Frau wird eine große Aufgabe gestellt, diese gereicht ihr aber zur Ehre. Der Gedanke von der Notwendigkeit' und den heilsamen Folgen der Ehe überwog so sehr, daß die Ehe auch dann empfohlen wird, wenn die ersten zwei für sie so maßgebenden Gründe gegenstandslos geworden. Wenn z. B. Lei fortgeschrittenem Alter geschlechtliche Ausschreitungen kaum mehr zu befürchten sind, oder wenn die Pflicht der Fortpflanzung erfüllt ist, dann tritt eben der dritte Grund in sein Recht ein. Es wird daher dem im Besitze einer zahlreichen Kinderschar lebenden Witwer geraten, eine Frau zu ehÄichen. Das eudämonistische Moment wird betont und darauf hingewiesen, welchen Verlust an Glück und Freude der erleidet, der das Eheleben entbehren muß. Wieder wird dies mit dem biblischen Satz begründet: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei (Genes. 2, 18)4) Es dürste einige Jrrtümer berichtigen, die sich über jüdische Eheschließung eingeschlichen haben, wenn auf die Weise hingewiesen wird, wie nach dem.Talmud die Wahl der Frau stattflnden soll. Zunächst wird der Grundsatz *) Jebamot 61b.

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