Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3111067-3111096-3115683--4110-3115830- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 131 — «ruf Esra zurückgeführt wird, getroffen, daß Händler von Stadt zu Stadt zogen, um ״die Töchter Israels mit Schmuckgegenständen zu versehen." *) Hervorzuheben wäre noch, daß die Frauen jener Zeit eine Art Krone trugen, die Minderbegüterten begnügten sich mit einem entsprechenden Stirnband. Die Frau R. Akibas trüg eine Krone, die ein Abbild der Stadt Jerusalems war?) Der Brauch ״das Haupt zu schmücken, besteht Wohl noch heute, war aber zur Zeit der Talmudlehrer um so mehr im Schwünge, als die Frau, sobald sie in die Ehe trat, das Haar abschneiden .und den auf dem Kopf gebliebenen Rest verdecken mußte und darum beflissen war, den mangelnden natürlichen Schmuck künstlich zu ersetzen. So gehörte die goldene Haube zum Hausrat so mancher unserer Urgroßmütter. Zur Ehre der Frauen wurde angenommen, sie schmückten sich, um den eigenen Gatten zu gefallen. In bezug auf Körpergestaltung, ob mager oder fett, ist der Geschmack je nach verschiedenen. Ländern und Zeiten ein verschiedener. Die Frauen jener Zeiten strebten nach Fettleibigkeit. Im Orient wurde überhaupt Wohlbeleibtheit der Magerkeit vorgezogen. Die Chinesen, Männer wie Frauen, sehen im großen Körperumfang .das Vorrecht des Adels. Dieser Punkt hängt mit der Einrichtung des Sklavendienstes zusammen. Wo der Sklave alle Arbeit tat, konnte der Herr dem Nichtstun sich hingeben, in Gemächlichkeit das von jenem Erarbeitete genießen, an Fettleibigkeit immer zunehmen. Magerkeit wird als Folge harter Arbeit und schmaler Kost angesehen, das ist Sklavenschicksal, Fettleibigkeit ist Herrenrecht. Mist dem Aufhören des Sklavenhandels und des Sklavenhaltens ist auch hierin ein Wechsel der Anschauung ^getreten. Wir verstehen es aber, daß bei der alten Anschauung die Frau jedes und nicht immer angenehmes Mittel anwendet, um recht beleibt zu erscheinen?) -) B. batra 22 a. 2) Sabbat 19 a. 3) das. 57 b.?i s*