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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 129

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1912-01-01
Page
Seite 129 (sequence 67)
Language
German
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- 129 — Dem einen Gedanken assoziert sich ein mehr oder weniger ähnlicher, und wenn die sich im raschen Lause folgenden nicht immer an Tiefe gewinnen, so nehmen sie doch an Breite zu und es fließt die Rede wie ein unerschöpflicher Quell unaufhaltsam fort. Zehn Maß Beredsamkeit, meint der Talmud, hat die Welt erhalten, neun davon haben die Frauen genommen?) Der Talmud tadelt auch die Eigenschaft der Frauen, sich gegenseitig ihre Schönheit zu neiden. Neidlos blickt sie auf manche herrliche Eigenschaft der Nachbarin — ihre Schönheit neidet sie ihr?) Man.wird übrigens das Streben der Frau, schön zu erscheinen, kaum als Schwäche ansehen können. Schönheitssinn darf mit Eitelkeit nicht verwechselt werden. Selbst wenn das Streben nach Schönheit mit dem Gedanken, andern zu gefallen, verbunden ist, ist es noch nicht verwerflich, denn die Freude am Schönen liegt zunächst in ihm selbst. Es kommt dabei auch ein sehr schätzenswertes ethisches Moment in Betracht. Wer sich schmückt, um schön zu sein, hat sich der niederbeugenden Sorge entschlagen, eine Art Zufriedenheit bemächtigt sich sein, es hat sich die Hoffnung in die Seele geschlichen, daß gewisse Zustände in der Zukunft sich besser, schöner gestalten werden. Ob das der sich schmückenden Frau zum vollen Bewußtsein kommt, ist fraglich, aber auch gleichgültig. Geschieht das Sichschmücken instinktiv, um so besser, die hoffnungssreudige Seelenstimmung gereicht ihr zur Ehre. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß der Gedanke Platos über das ״Gut und Schön" auch den Talmudlehrern und späteren jüdischen Forschern nicht unbekannt geblieben. Jafah - schön ist ihnen beides, gut und schön. Selbst die strengen Dezisoren sprechen von einer ״schönen Seele", wo Frömmigkeit, Strenggläubigkeit gemeint ist?) Von der Frau zumal wird Schönheit ge- *) Kldd. 49 b. , a) Megilla 13 a. 3) So z. B. lautet der Ausdruck: ״Die schöne Seele" wird sich des Genusses gewisser Speisen enthalten. 9

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