Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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— 128 — Leichtsinn zugeschrieben. Sie besitzen die Kraft nichts bestimmten Eindrücken widerstehen zu können, stiften dadurch, ohne böse Absicht, Schaden. Ihre schnelle Aufsassungsgabe, die Rezeptionsfähigkeit, macht sie äußern Einflüssen zugänglich, sie erweisen sich dem mit einiger Kraft geübten Druck gegenüber widerstandsunfähig. Das ist es, was der Talmud mit ״leichtem Sinn" bezeichnet.*) Diesem leicht zu beeinflussenden Sinne mag auch die Leichtgläubigkeit der Frauen zugeschrieben werden, die besonders auf dem Gebiete des Glaubens hervortritt. Der Aberglaube ist der ältere Bruder des Glaubens, der von diesem, dem jüngeren Bruder, verdrängt wird. .Das ist jedoch nur der Fall, wo die Geisteskraft vor- Händen ist, alles Geister-, Spuk- und Zauberwesen aus dem Gehirn zu bannen. Das gelang den Frauen aber schwer, gelingt ihnen auch heute nicht immer; die Wunder finden in den Frauen die größten Bewunderer. Erscheinungen, die sie für göttliche halten, glauben sie heute noch zu sehen, wie sie die beste Kundschaft der Kartenlegerinnen sind. Ihre Gemütstiefe führt sie zum Glauben an Uebernatürliches und, trotz ihrem scharfen Blicke, unterscheiden sie nur schwer zwischen dem älteren und jüngeren Bruder, zwischen Aberglauben und Glauben. Es ließe sich das Wohl geschichtlich Nachweisen, hier genüge der Hinweis auf die Sätze: ״Je mehr Frauen, desto mehr Aberglaube" 2), und ״die beste der Frauen ist eine ׳ Zauberin."b) Es sind das die Fehler ihrer Vorzüge. Der Vorwurf, daß die Frauen ״Vielrednerinnen" sind, ist zweifellos ein berechtigter. Diese Schwäche mag in der Körperbeschaffenheit, in den Nerven liegen, wegzuleugnen ist sie nicht. Es ist ein Mangel an Kraft, das, was die Gedanken denken, nicht in sich behalten, zur vollen Reife bringen zu können, sondern es, kaum entstanden, der Zunge, den Lippen übergeben, wie ein Gesäß, das nicht Wasser hält, ausströmen zu müssen. ,I Sabbat 33b. 2) Abot 2, 7. 3) Traktat Soferim 15.