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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 127

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1912-01-01
Page
Seite 127 (sequence 65)
Language
German
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27־1 Trotzdem hat sich auch hier eine andere Meinung geltend gemacht. Es ist R. Chasdai, der den Ausspruch tut: ״Töchter sind mir lieber als Söhne." x) Bezeichnend ist dieser Ausspruch darum, weil R. Chasdai mit ihm nicht nur den Mut bekundet, seine Anschauung der allgemeinen Meinung entgegenzusetzen, er beweist auch, daß CH. einem stark ausgebildeten Optimismus huldigt. Auch eine vielleicht nebensächliche Frage haben die Lalmudlehrer zugunsten der Frau entschieden. Die Frage, ob als Erstgeborenes ein Knabe oder ein Mädchen wünschenswert sei. Wieder ist es R. Chasdai, der dem Mädchen den Vorzug einräumt und, was im Talmud selten der Fall ist, die Meinung Chasdais bleibt unbestritten. Von den zwei, nicht von Chasdai selber, für den Ausspruch angegebenen Gründen, ist der erste pädagogischer Art und ein Lob für die Frauen. ״Die Tochter, als des Hauses Aelteste, wird die nachfolgenden Kinder, die jüngeren Geschwister erziehen helfen." Der zweite Grund entbehrt des Humors nicht und ist für die Frau wenig schmeichelhaft Er lautet: ״Das böse Auge wird die Eltern nicht treffen." Das soll bedeuten: Ist das erstgeborene Kind ein Sohn, so neidet man den Eltern das Glück, um den Besitz einer Tochter beneidet man sie nicht. Wägt man die zwei Gründe gegen einander ob, so wird man sich nicht nur aus psychologischen Gründen für den ersten entscheiden, sondern weil er aus dem Wortlaut des Ausspruches R. Chasdais geschöpft ist. Er sagt wörtlich: ״Eine Tochter früher (als erstes Kind) ist eine gute Vorbedeutung für die (nachfolgenden) Kinder.״) Die Deutung, daß sie die jüngeren Geschwister wird erziehen helfen, ist ganz sinngemäß. Dagegen werden auch die schwachen Seiten der Frauen nicht verschwiegen. Es wird ihnen ein gewisser *) B. batra 141a. Tossafot das. wollen das doch nicht gelten lassen und deuten den Ausspruch R. CH. dahin: Er bevorzuge die Töchter, weil die Gatten seiner Töchter bedeutende Gelehrte. Größen ihrer Zeit waren. Es hat also bei Eh. eine besondere Ursache -obgewaltet. 2) das.

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