Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 63)
- Language
- German
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— 125 — Würden mit ihrer oberflächlichen Auffassung der behandelten׳ Themata zu Mißverständnissen veranlaßt werden und- Schaden an ihrer Seele nehmen. Nur aus einer solchen Anschauung heraus ist der Satz zu verstehen: ״Wer seine Tochter Thora lehrt, tut, als lehre er sie Unsittliches.") R. Elieser geht folgerichtig weiter und erklärt: ״Es ist besser, die Worte der Thora zu verbrennen, als sie den Frauen zu überliefern.") Diese Meinung R. Eliesers erschüttert das im Talmud herrschende Urteil über die Frauen nicht. Es mag hierin der Widerstreit der Meinungen verschiedener Zeiten, oder die Verschiedenheit der Ansichten einer und derselben Zeit zu sehen sein. Soviel ist sicher: Wenn die Frau im allgemeinen nach ihrer intellektuellen Seite hoch bewertet wurde, so ha! man doch R. Elieser das Recht nicht vorenthalten, seine Meinung vorzutragen. Es steht eben Meinung gegen Meinung und stellt R. Elieser die seinige der des Ben Asai entgegen, der es dem Vater zur Pflicht macht, seine Tochter Thora zu lehren?) Die spätere Zeit hat sich für Ben Asai entschieden. Die Talmudisten erörterten auch, wenn auch nur indirekt, die Frage: ob es besser sei, im Besitze von Söhnen oder Töchtern zu sein. Schon die Fragestellung ist bezeichnend für die Anschauung der Talmudisten. Während die alte Welt die Töchter ohne weiteres als Sklaven behandelte, sie als Lasttiere gebrauchte, wird da die Frage gestellt, ob sie den Söhnen vorzuziehen seien. Die Antwort, die die Frage im Talmud findet, dürfte heute, trotz der großen Wandlung in den Anschauungen, dieselbe sein, die sie damals gewesen. Bei der Beantwortung fielepdamals wie heute andere Momente in die Wagschale, als das bloß ideale Moment, das in der Wertschätzung, der persönlichen Würde besteht. Unter anderen spielte auch die Wirtschaftliche Frage eine Rolle. Gerade weil der Talmud die׳ 1j Mischna Sota 20 a. 2) Tossafot das. Stichw. 2? עו&יs) Mischna Sota das.