Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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— 121 — der Männer. In diesem Sinne urteilt der Talmut?) über die Frau, indem er Jesaia 32, 9 zu ihren Gunsten deutet. Gott, so meint der Talmud, hat der Frau mehr Vertrauen ins Herz gelegt, als dem Manne, denn er nennt sie —nach den Worten des Propheten: Ihr sorglosen Frauen erhebet euch und höret aus meine Stimme, ihr Vertrauenden, merkt auf meine Rede — die Sorglosen und Vertrauenden. Man kann erklärend hinzufügen: Das Gottvertrauen, das den Gedanken Wachrust, Gott werde alles zum Guten lenken, bannt die Sorge, oder läßt sie wenigstens nicht drückend werden. Dieser Vorzug ist aber den Frauen eingeräumt worden, weil sie sich in den Dienst des Edelsten stellen, oder besser, weil erwartet wird, daß sie es tun werden. Wie später noch hervorgehoben werden soll, wird von ihnen erwartet, daß sie die Erziehung der Kinder leiten und, wie eben hervorgehoben, der geistigen Fortbildung der Männer sich nicht nur nicht entgegenstellen, sondern unter Opfern und Entsagungen förderlich sein werden. Ihre Gläubigkeit bekunden sie ferner dadurch, daß sie auch jene Gesetze zu erfüllen suchen, deren Erfüllung ihnen garnicht obliegt. Bekanntlich sind die Frauen der Beobachtung solcher Gesetze enthoben, deren Erfüllung an eine bestimmte Zeit gebunden istch, ebenso solcher, zu deren Erfüllung die Schrift ausdrücklich den Mann Lerufen hat?) Die Frauen bestreben sich dennoch, solche Gesetze zu erfüllen, die Talmudlehrer wehren dem Eifer nicht, um ״ihnen eine Herzensfreude zu gewähren"?) Es wäre interessant, die psychologischen Gründe sestzustellen, warum den Frauen die Erfüllung dieses oder jenes Gebotes nicht obliegt. Der Talmud, der das Gesetz im Auge hat, stellt nur die Tatsache fest und bestimmt ף Berach. 17 a. 2) Obgleich dieses Kriterium manche Anfechtung im Talmud erleidet, sich auch nicht konsequent durchführen läßt, wird es doch als solches angesehen. 3) Der talm. Ausdruck hierfür ist: I8eü — der Mann steht im Abschnitt und nicht iscl1ah Me Frau. 4) Chagiga 16 b.