Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 58)
- Language
- German
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120 sie die eigene Ehre sehen. So galt es ihnen als hohe Ehre, daß der Gatte ein Gelehrter sei, und um dieser Ehre willen opferten oft Frauen Jahre ihres Lebens, legten sich schwere Entbehrungen auf nnd übernahmen die Sorge mn den Haushalt. Dieses hängt mit den Verhältnissen des Orients zufammen. Bei der körperlichen Frühreife der Orientalen mußten, wenn die Sittlichkeit gewahrt werden sollte, die Ehen in, nach unseren Begriffen, noch jugendlichem Alter geschloffen werden. Die körperlich frühreifen Männer waren nicht immer geistig reif, sie hatten, wenn sie in die Ehe traten, oft nicht jene Stufe erreicht, daß sie auch nur den Anspruch auf Gelehrsamkeit erheben mochten. Sie besuchten nach wie vor nicht nur das Lehrhaus ihres Wohnortes, sondern verließen auch Haus und Hof, zogen in die Fremde, um zu den Füßen eines Meisters zu sitzen. Die Frauen brachten das Opfer, Jahre hindurch auf den Mann zu warten, wobei ihre Sittlichkeit eine harte Probe bestand?) Daß bei den Frauen auch die Frönnnigkeit eine Heimstätte hat, daß sie es sind, die mit der ganzen Fülle ihres Herzens dem Göttlichen nachstreben, ihren Trost im Aufblick zu Gott, ihre Befriedigung in der Erhebung zu ihm finden, wird man als selbstverständlich ansehen. Vor allem ist es das feste Gottvertrauen, das sie auszeichnet, wodurch sie sich und ihrer Familie den Lebensmut erhalten. Das bewiesen, wie vielfach erwähnt wird, die Frauen der Israeliten in Egypten Als die Männer die schwere Arbeit tun mußten, standen ihnen die Frauen wacker zur Seite, flößten ihnen Mut ein, so daß der Satz ausgesprochen werden konnte: Es war das Verdienst der frommen Frauen, daß Israel aus Egypten zog?) Das Gottvertrauen gibt den Frauen das Gefühl der Sicherheit, flößt ihnen Hoffnung ein, ihre Weltauffafsung ist daher eine im größeren Maße optimistische, als die y Scmhedrin 621>. Berach, 17 a. 2) Sota 11b.