Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111096-3115683--4097-3115817- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
118 breitend, einen ebenbürtigen Gatten neben sich wünscht, ״und sie gab auch ihrem Manne und er aß" (das. 6). Von der ehrenvollen Stellung der Frau in der Bibel zeugt ferner der Umstand, daß ihr nicht nur einzelne Kapitel (Sprüche 31), sondern auch Bücher, ganz oder teilweise (Rut, Hoheslied) gewidmet wurden, sowie die Tatsache, daß die Frauen als Königinnen und Prophetinnen wirkten. Auf dem Grunde der Bibel bauten die Talmudlehrer weiter und bekundeten in der den Frauen gegenüber geübten und andern empfohlenen Handlungsweise eine gerechte, aber auch wohlwollende Anschauung. Sie gingen von dem Gedanken aus, daß die Frau ins Haus gehört, da ihren Wirkungskreis habe und sich als Gattin und Mutter Lewähren müsse. Im Hause aber ist sie die Gebieterin, und bezeichnend ist das dafür geprägte Wort: ״Das Haus ist die Frau".H Man konnte dies umso mehr, als der heiße Kampf um die Lebenserhaltung noch nicht entbrannt war. Die Frau wirtschaftlich unabhängig zu machen, sie zu befähigen, neben oder dem Manne gegenüber sich zu behaupten, daran dachte man schon darum nicht, weil die Bedürfnisse hierzu nicht zwangen. Neben und mit dem Manne, nicht ihm gegenüber dachte man sie. Wohl sprach man ihr die Fähigkeit hierzu nicht ab, und hat es Fälle genug gegeben, in denen der Frau die Erhaltung des Hauses oblag, aber die schwere Sorge für die eigene Erhaltung, wie für die der Familie, ward auf die Schultern des Mannes gelegt. Von der Frau wird im allgemeinen, außer bei religionsgesetzlichen Bestimmungen, verhältnismäßig wenig gesprochen, die Beurteilung der Talmudlehrer trifft zumeist die Mutter und die Gattin. Was sie von den Frauen aussagen, hält sich ebenso von jenen Ueberschwenglichkeiten fern, mit denen in gewissen Zeiten den Frauen gehuldigt wurde, wie von jener Anschauung, die ihnen den Platz neben den Sklaven anwies. Die guten wie die schwachen Seiten der Frau ') Gittin 52*.