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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 116

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1912-01-01
Page
Seite 116 (sequence 54)
Language
German
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116 die Königskrone nicht aufs Haupt fetzte und alle Erlässe im Namen des Vaters ergehen ließ?) Daß die Talmudlehrer die Erfüllung des Gebotes der Elternehre die Jahrhunderte fortwirken ließen, und den Gang späterer geschichtlicher Ereignisse auf sie zurückführten, mag folgendes beweisen. Japhet, der Sohn des Noa, wird als Stammvater Jawans, der Griechen, angesehen, die vor dem Auftreten der Makkabäer Israel hart bedrängten. Wie ist es aber möglich, so wird gefragt, daß die Feinde Israels vom Geschicke so begünstigt werden und zu solcher Macht heranwachsen konnten? Die Talnmdlehrer antworten: weil ihr Stammvater, Japhet, die Ehre seines Vaters Noa gewahrt hat (Gen. 9, 23)?) Ueber die Nichtbeachtung des Ehrgebotes gegen die Eltern sei kurz bemerkt: Es galt im allgemeinen als Grundsatz, daß das Gericht bei Nichtbeachtung eines Gebotes, für dessen Beobachtung in der Thora ausdrücklich der Lohn angegeben ist, keine Strafe eintreten lassen darf?) Da der Lohn für die Elternehre angegeben ist (Exod. 20,12), so konnte der Richter für die Nichtbeachtung des Gebotes keine Strafe auflegen. Solche Nichtachtung blieb aber nicht ungestraft, die Strafe trat von selbst ein. So ward es Joseph, dem Sohne des Stammvaters Jakob, übel vermerkt, daß er den Ausspruch des Bruders: ״Dein Knecht unser Vater" (Gen. 11, 25) unwidersprochen ließ. Er hätte, so meint die Feinfühligkeit der Talmudlehrer, nicht zugeben dürfen, daß der Vater als ״Knecht" bezeichnet werde. Die Strafe Josephs besteht darin, daß er wegwerfend von sich selbst spricht. Schon bei Lebzeiten spricht er von seinen ״Gebeinen" (Gen. 60, 26)?) Dagegen hat auf absichtliche Verletzung der Elternehre, wer die Eltern flucht, sie schlägt usw. schon die 1) Sukka 45 b. 2) Midrasch schirhaschirim sutta 8) Chullin 110 b. 4) Sota 13b.

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