Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 53)
- Language
- German
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115 rechten Zeit seiner Würde keinen Abbruch tut und die Ehrfurcht im allgemeinen festigt. Es erübrigt uns noch von dem Lohne für Beachtung des Gebotes der Elternehre und von der Strafe für dessen Nichtbeachtung zu sprechen. Wir würden den Talmudlehrern Unrecht tun, wollten wir, ohne auf die Motive einzugehen, bloß die Fälle aufzählen, wo sie Lohn verheißen und Strafen festsetzen. Freilich haben sie, in ihrer Art, die idealsten Dinge praktisch zu behandeln, zuineist nur auf konkrete Fälle hingewiesen, aber auch aus diesen kann der Beweis erbracht werden, welch hohe Bedeutung sie der Elternehre beilegten. Wie wir es wissen, wußten auch sie, daß auf dem liebenden und pietätsvollen Verhältnis zwischen Eltern und Kindern sich das Familienleben aufbaut, das; dieses die Grundlage des Staates bildet, der Staat dadurch eine sittliche Grundlage erhält und letztere geordnete Zustände und des Staates Dauer verbürgt. Da die Er- Haltung Israels — obgleich zur Zeit der israelitische Staat die Selbständigkeit bereits verloren hatte — den Talmudlehrern, des Glaubens wegen, als höchstes Ziel galt, wahrten sie mit aller Kraft alles, was dieser Er- Haltung diente; daher legten sie hohen Wert auf die Innigkeit des Familienlebens und suchten ihre Quelle, die Elternehre, rein zu erhalten. Darum wird, außer dem in der Thora angegebenen Lohne, das die Eltern ehrende Kind glücklich gepriesen. Es steht nicht nur in allgemeiner Achtung, es wird ihm auch zugerufen, daß sein Verdienst darum ungemein groß sei, weil es zum Wähle des Ganzen beiträgt, und die von ihm gestreute Saat künftigen Geschlechtern zur herrlichen Frucht reifen wird. Einige Beispiele mögen genügen, das zu erhärten. Glücklich gepriesen lvird König Joram, der Sohn Usias, weil er die Ehre des Vaters hochgehalten. König Ufia litt an einer Hautkrankheit und Joram übernahm die Regierung. Er erwies dem Vater die Ehre, daß er, was besonders für den Orient hoch zu bewerten ist, sich