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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 111

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1912-01-01
Page
Seite 111 (sequence 49)
Language
German
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111 — Richtet das Ehrgebot, insofern es Pflicht ist und als Gesetz auftritt, sein Augenmerk auf das tatsächlich Gegebene und kann es trotzdem die Empfindung nicht ganz ausschließen, muß es das Gefühl, wenn auch in zweiter Reihe, heranziehen, so treten diese, Empfindung und Gefühl, da in den Vordergrund, wo der Buchstabe des Gesetzes versagt, die Handlung ihren Antrieb aus der Tiefe des Herzens holt, die Elternehre Pietät ist. Zu dieser gehört Wohl schon die oben bezeichnete, den Eltern gebotene Ehrung: ״ihnen zu essen, zu trinken zu geben, sie zu kleiden (aus und ein) zu führen", und zwar, wie betont wird, willigen Herzens und mit freundlicher Miene?) Diese Gebote ließen sich noch in Gesetzessorm bringen. Für andere Ehrerbietungen, für die ein Ausdruck nicht leicht gefunden werden konnte, wurden, wie erwähnt, die Taten berühmter Männer angeführt, die als Muster dienen und zur Nachahmung aneifern sollten. Als Muster dafür, wie die Mutter geehrt werden sollte, dient die Erzählung von R. Josef, der, sobald er den leisen Schritt seiner Mutter vernahm, sich von seinem Sitze mit den Worten erhob: ״ich erhebe mich vor der Schechina."') Noch tiefere Wirkung muß die Erzählung Hervorrufen, daß R. Tarphon, so oft die Mutter ins Bett steigen wollte, sich bückte und ihr als Schemel diente. Dasselbe geschah, wenn sie herabsteigen wollte?) In derselben Weise wird auf die Ehre des Vaters hingewiesen, wo die Talmudlehrer nicht anstehen, einen Heiden als Muster aufzustellen. Es ist der Heide Dama aus Askalon, der sich aus Ehrfurcht vor dem Vater einen großen Gewinn entgehen läßt. Einst wollten die Weisen Israels Edelsteine zu dem Ephod (einem Kleidungsstück des Hohenpriesters) von ihm kaufen und boten ihm einen sehr hohen Preis- Er wies sie aber mit dem Be- ג) Kid duschin 31b. Geschieht dies in gezwungener Weise, oder nur mit unfreundlicher Miene, so tritt Strafe ein. Jore dea 240,4. 2) Daselbst. 3) Daselbst.

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