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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 103

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1912-01-01
Page
Seite 103 (sequence 41)
Language
German
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ih■#**»*«* fMfT■ WW*?'■vT'*' — 103 — welche, da ihnen Wohl die Gelegenheit, all diese Sprachen imUmgange zu erlernen,nicht geboten war,anderwärts gelehrt und gelernt werden mußten.^) Die Gemeinde hat die Pflicht, Schulen für profane Gegenstände da zu erhalten, wo Stadt und Staat hierfür nicht Sorge tragen, oder wo Glaubenshaß sich in der Schule eingenistet hat, so daß den Kindern der Schulbesuch verleidet wird. Die Thora, eigentlich die Belehrung, bildete den Hauptbestandteil des Kultus, sie nahm ihren Platz in der Mitte des Gottesdienstes ein, das Gebet ging ihr voran, wie es ihr folgte. Die Synagoge war darum die Stätte der Belehrung wie der Herzenserhebung. Da war der Sammel- und Mittelpunkt der Gemeinde, da ihr Kopf und ihr Herz, da pulsierte ihr Leben. Dem Kultus und der Belehrung schloß sich als drittes die Pflege der Wohltätigkeit an. Hier wurden der Gemeinde Pflichten auferlegt, aber auch gewisse Schranken gezogen. Es muß darauf gesehen werden, daß die Privatwohltätigkeit nicht aufhöre. Es ist nicht nur eine Verkennung ihrer Aufgabe, wenn sich die Gemeinde als Wohltätigkeitsanstalt betrachtet, sie wirkt als solche auch schädlich, indem das lieben der Wohltätigkeit dem Einzelnen mehr oder weniger abgenommen wird, wodurch er eines wichtigen Erziehungsmittels verlustig geht. Das Wohltun ist ein Erziehungsmittel, weil es die gegenseitige Teilnahme der Menschen fördert, zur Veredelung des Sinnes wie des Herzens beiträgt. Die Gemeindewohltätigkeit soll da eingreifen, wo es gilt, Zedaka im großen Stilezu üben, wo einöffentliches Interesse vorliegt und die Kraft des Einzelnen nicht ausreicht. Die Gemeinde darf nie eine Wohltätigkeitsanstalt werden. In der Erfüllung der Pflichten, die ihr Thora, Aboda (Gottesdienst), Gemillut chesed (Neben der Wohltätigkeit) *) Es ist nicht gut möglich anzunehmen, daß jedes Synhedriums- Mitglied 70 Sprachen gesprochen hat. Der Sinn des Ausspruches wird wohl der sein, daß in der Gesamtheit des Synhedriums 70 Sprayen vertreten waren, so daß im Durchschnitt jedes Mitglied eine fremde Sprache sprach.

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