Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 33)
- Language
- German
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Wenn einer Gesamtheit eine hohe Mission übertragen wird, eine solche, die mit Materiellem nichts zu tun hat, und deren Bedeutung nur auf dem Wege der Abstraktion gefunden werden kann, so liegt darin eine Bevorzugung dieser Gesamtheit. Jedes Bevorzugtwerden, sei es von Seite vorurteilsloser, auf der Geisteshöhe stehender Menschen, sei es von Seite der Vorsehung, setzt eine bestimmte höhere Eignung voraus, ist eine Ehre. Durch Uebertragung der Mission, den Namen Gottes zu künden, verbunden mit der strengen Beobachtung lauterer, heiliger, zum Teil Einschränkungen auferlegender Gebote, ist Israel eine hohe Ehre zuteil geworden?) Diese Ehre ist um so größer, als Israel im großen und ganzen der Mission, trotz der Zeiten Ungunst, treu geblieben. Ward ihm auch dafür weder Anerkennung noch Ehre von außen, so ist sein Verdienst und damit seine Ehre um so größer, als es, der heiligen Sache zu liebe, auf äußere Ehre verzichtet, nicht weil es diese gering achtet, sondern weil es der Ueberzeugung lebt, daß die äußere Ehrung die innere Ehre nicht aufwiegt. Israels Ehre besteht nicht bloß in der Mission, den Namen Gottes den Völkern zu künden, sie besteht auch darin, daß es das Volk der Schrift ist. Diesen Ruhmestitel hat es sich längst erworben. Schon vor ungefähr 2000 Jahren nannte man es so. Man nannte es das Volk der Schrift zunächst darum, weil in seiner Mitte die unerreichte heilige Schrift erstand, die man als ״das Buch" schlechthin bezeichuete. Sodann und das ist es, was mit jener Bezeichnung besonders ausgesagt werden wollte, weil Israel sich mehr als irgend ein Volkstum der alten Zeit mit der Erforschung und Deutung eigenen und fremden Schrifttums befaßte. Der auf das Denken und Forschen gerichtete Sinn ist ebenfalls eine Folge seiner religiösen Erziehung. Die Religion schrieb ihm vor: du sollst in ihr (der Thora) forschen Tag und Nacht. Dieses Gebot ist tatsächlich eingehalten worden und kommen wir auf diesen Punkt bei Be- 0 Menachot E>.