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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 93

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1912-01-01
Page
Seite 93 (sequence 31)
Language
German
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— 93 - Israel ging darum gerade nach Babylon in.die Gefangenschaft, weil, so meint der eine Lehrer, die Babylonierunter den Völkern des Altertums zur Zeit am meisten fortgeschritten waren; ein anderer ineint, weil die Sprachen Palästinas und Babylons verwandt sind, so daß die Möglichkeit gegenseitiger Verständigung gegeben war; ein dritter ist der Ansicht, es war die Rückkehr der Kinder in die Urheimat ihrer Ahnen, denn Babylon ist das Geburtsland des Stammvaters Abraham?) So findet eine innige Verbindung zwischen Gott und Israel statt, und die Talmudlehrer werden nicht müde, auf diese Verbindung hinzuweisen. Dem bereits in der Thora ausgesprochenen Gedanken, daß Gott Israel als sein Eigentum betrachtet, wird auch hier deutlich Ausdruck gegeben,2) Gottes heiliger großer Name ist mit Israel verknüpft^), und mag Israels Schicksal welches immer sein, mag es im heiligen Lande oder zerstreut auf der ganzen Erde weilen, von Gott verlassen ist es nicht?) Was nun die Ehre Israels betrifft, so muß zweierlei unterschieden werden: Die Ehre, die es beanspruchen kann infolge seiner Erziehung durch die Thora und seines durch seine Erlebnisse entwickelten Charakters; sodann jene Ehre, die ihm infolge seiner Verdienste um die Gesamtheit gebührt. Die erstere, eine Folge persönlicher Vorzüge, wird zumeist in Gleichnissen ausgesprochen, dieder Menschen- und Pflanzenwelt entlehnt sind, sich zuweilen auch' zum Ueberirdischen erheben. So behandeln sie den Wohltätigkeitssinn unter den! Bilde des Weinstocks. Die Wohlhabenden in Israel sind der Weinstock. Wie dieser eine Stütze der edlen Frucht ist, so sind jene eine Stütze der Armen.") Das Gottvertrauen ist der Frucht des Apfelbaumes verglichen. Wie diese heranreist, ohne auf das schützende Blatt zu warten, so gibt sich *) Pessachirn 87b. 2) das. 3) Jerusch. Taanit c. 2. 4) Wohin sie auch in die Verbannung gehen, die Schechincr ist mit ihnen. Megilla 29a, Sabbat 22b. ף Chullin 92 a, s. Nascht das.

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