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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 90

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1912-01-01
Page
Seite 90 (sequence 28)
Language
German
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90 tiefe Innerlichkeit gefordert wird, wenngleich, dein wird unsere Zeit gerne zustimmen, der äußern Führung ihr volles Recht eingeräumt wird; wir sehen die Ehre nicht als Ziel des Strebens hingestellt, sondern als Frucht der ehrenhaften Tat; wir sehen sie in Verbindung gebracht mit Freiheit, Selbständigkeit, Mannesstolz und Selbstbewußtsein, trotzdem wird ihr die nötige Schranke gezogen und vor Uebermaß gewarnt. Nicht minder wichtig ist, daß mit dem Gebot der Menschenehre, das Verbot der Menschenverachtung in Zusammenhang gebracht wird. Die Menschenverächter werden gerade in den hohen Gesellschaftsschichten gefunden. Sie haben mehr Gelegenheit zur Menschenkenntnis, und diese führt nicht selten zur Menschen- Verachtung. Das Verbot derselben führt die Ethik mit der Religion zusammen. Verachte die Menschen nicht, sie sind Geschöpfe Gottes, seine Ebenbilder. Dabei wird auf die Selbstachtung hingewiesen, betont, daß die Ehre etwas unveräußerliches ist und hier ein schwächlicher Altruismus keinen Platz hat. II. Die Ehre Israels. Wenn die Ehre einer Nation einerseits in ihren Bräuchen und Sitten, der Geistesbildung, dem Gerechtigkeitsgesühl, dem Handhaben der Gesetze u. s. w. besteht, andererseits, die äußere Ehre in der Menge der Angriffs- und Verteidigungsmittel, in der Macht, die sie zu entfalten in der Lage ist, Z so kann, da mit der Zerstörung Jerusalems durch die Römer, Israel die äußere Macht völlig eingebüßt hat, der Angriffs- und Verteidigungsmittel entbehrt, von dessen äußerer Ehre im allgemeinen nicht gesprochen werden. Von dieser Ehre sprechen die Talmudlehrer tatsächlich selten, es wäre denn, daß sie unter den! Drucke einer traurigen Gegenwart, mit schmerzlichen Empfindungen auf die glänzende Vergangenheit *) S. meine ״Ehre in der Bibel" p. 17.

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