Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 27)
- Language
- German
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— 89 - Folgen höchst selten wieder gut zu inachen ist, der Verlenmder infolge seiner zweideutigen Reden nicht gefaßt werden kann, daß es für sein Verbrechen keine Sühne gibt?) Auf ungefähr gleicher Stufe mit dem Verleumder steht, wer den Nächsten öffentlich beleidigt. Die öffentliche Beleidigung bildet darum kein so großes Verbrechen, wie die Verleumdung, weil der Beleidigte sich möglicherweise verteidigen kann, aber sie ist Verbrechens genug und wird auf eine Linie mit dem ״Blutvergießen" gestellt?) Man täte besser, meint der Talmud,ch sich in einen glühenden Ofen zu stürzen, als den Nächsten öffentlich zu beleidigen. Mit der Verleurndung hat die öffentliche Beleidigung das gemein, daß es auch für sie keine Sühne geben kann. Der Grund liegt darin, daß auch hier das an dem Beleidigten begangene Verbrechen selten wieder gut gemacht werden kann. Eine in breiter Oeffentlichkeit ausgesprochene Beleidigung kann darum nicht ganz zurückgenommen werden, weil die Oeffentlichkeit wechselt, d. h. die Personen, die bei der späteren Zurücknahme der Beleidigung gegenwärtig sind, sind nicht oder nur teilweise dieselben, die zur Zeit der Beleidigung gegenwärtig waren, diesen gegenüber besteht die Beleidigung fort. Die Strafe dessen, der öffentlich beleidigt, ist, wenn auch hart genug, doch milder, als die des Verleumders. Dieser wird nach dem Tode mit fortgesetzten Züchtigungen heimgesucht, jenem wird die -ewige Glückseligkeit vorenthalten. ״Er hat kein Anteil am künftigen Lebens) Diese wenigen, die Menschenehre fordernden Sätze, enthalten Wohl alle, oder den größten Teil jener Begriffe, die wir auch heute mit der Menschenehre verbinden. Außer einigen Aussprüchen, z. B. dem, daß auch die Toten bei ihrer Ehre beschworen werden können, wird auch unsere Zeit nicht höhere Ansprüche an Menschenehre stellen. Wir sehen, daß da nicht äußere Form, sondern ף Levit. rabba 10. 2) B. rnezia 58 b. 2) das. 4) Abot. Sifro Abschn ki töze.