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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 87

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1912-01-01
Page
Seite 87 (sequence 25)
Language
German
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87 Erziehung beobachten gegen einander gewisse Höflichkeitsformen, die, wenn sie zur Gewohnheit geworden, auch keinen anderen Anspruch erheben, als den einer bloßen Form, sie werden aber zur ״Ehre", wenn sie der Ausdruck gegenseitiger höherer Wertung sind. Darauf weist uns der Midrasch *) bei der Gelegenheit als Abraham Gastfreundschaft übt. Der Stammvater sieht drei Männer unfern seinem Hause stehen. Da er wissen will, ob sie der Gastfreundschaft würdig sind, beobachtet er sie. Das Merkmal der Würdigkeit bildet die Ehre, die sie sich gegenseitig erweisen. ״Als er sah, daß sie sich gegenseitig ehren, wußte er, daß es Männer von Anstand seien." Mit dem Gebote, die Ehre des Andern hoch zu halten, ist notwendig das Gebot verbunden, Wohl darauf zu achten, daß dessen Ehre nicht verletzt werde. Obgleich die Ehre das ureigenste Gut des Menschen ist, sie infolge dessen Niemandem gegeben oder genommen werden kann, ist es doch ein Gebot der Sittlichkeit, dieses heilige Gut des Andern unangetastet zu lassen, den inneren Besitz durch äußere Angriffe in den Augen der Menschen nicht zu entwerten oder als nicht vorhanden darzustellen. Uebertritt man dieses Gebot, dann hat man den Menschen an seiner verwundbarsten Stelle getroffen, und das umso mehr, wenn eine Verteidigung schwer möglich ist. Die Talmudlehrer haben daher inbetreff der Ehre einerseits Schonung, Rücksicht, Feinfühligkeit geboten, andererseits mit den schärfsten Ausdrücken׳ das geheime Ehrabschneiden, wie die öffentliche Beleidigung getadelt. Feinfühligkeit bekundet das Gebot: in Gegenwart eines Proselyten seine früheren Glaubensgenossen nicht zu schmähen, oder geringschätzig zu behandeln. Der Proselyt wird dadurch an seine Abkunft erinnert, es könnte ihn verletzen. Noch weiter geht der andere Satz: Du sollst in Gegenwart dessen, der einen Gehängten in der Familie hat, zu deinem Diener nicht sagen: Hänge den Fisch aus. Das Wort ״hängen" erinnert ihn an die Schande seines Hauses?) ג) Genes, rab. Abschn. 48. 2) Baba mezia 59b.

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