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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 84

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1912-01-01
Page
Seite 84 (sequence 22)
Language
German
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84 — sowohl seine Menschenwürde, wie die Würde der Thora, deren Vertreter er ist, verletzt hat. Daß darauf auch in der Stunde der größten Gefahr zu achten ist, folgert der Talmud daraus, daß Chananja, Mischael und Asarja ihre schönsten Kleider anlegten als sie in den Feuerofen geworfen werden sollten. (Daniel 3, 21)l 2 * 4) Dagegen soll alles Luxuriöse, jede Prachtentfaltung gemieden werden, das höchste des Erlaubten ist, daß man sich nach seinen Verhältnissen kleide. 2) Daß es die Talmudlehrer nicht aus Aeußerlichkeiten, nicht auf Scheinehre abgesehen haben, darauf verweisen sie in dem schönen Satz: ״Nicht der Ort verleiht dem Menschen Ehre, sondern der Mensch verleiht Ehre seinem Orte." *0 Du magst nach Außen noch so hoch gestellt sein, die Stelle ehrt dich nicht, so lange du ihrer nicht würdig bist, trägst du aber Ehre in dir, verleihst du der unansehnlichsten Stelle Würde und Ansehen. Wie Ehrsucht von Ehre geschieden ist, so wird die Heuchelei zurückgewiesen, die dem Andern Ehre erweist, um einen Vorteil zu erreichen odersich bei ihm in Gunstzu setzen. Dies geschieht hauptsächlich da, wo dem Unwürdigen Ehre erwiesen wird, man zeigt damit, daß einem die eigene Ehre um Geld feil ist. Das Beispiel, das hierfür angeführt wird, mag nicht für alle Fälle gelten, diesen Gedanken gibt es klar wieder. ״Wer dem Nächsten des Lohnes willen Ehre erweist, scheidet von ihm in Schande"/) Die Erfahrung bestätigt nicht immer den Satz, daß der Schmeichler von dem Umschmeichelten in Schande scheidet, er erlangt oft genug, was er erstrebt, Geld und Stellung. R. Elasar, der den Ausspruch tut, kümmert sich um die Erfahrung nicht, die Morallehre, die er gibt, bleibt bestehen, wenn sie auch nicht immer von der Erfahrung bestätigt wird. Es wird dabei auf den heidnischen Propheten Bileam verwiesen, der der Ehre, des Geldes *) Sanhedrin 92 b. 2) Sabbat 846. Taanit 21 b. 4) Abot d. R. Natan 29.

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