Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111096-3115683--4056-3115776- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
im Leben des Einzelnen wie der Gesamtheit zu machen, so verstanden sie es auch, diesem so heiklen Gefühl die notwendigen Grenzen anzuweisen, vor Überreiztheit zu warnen, damit es nicht zu einer Gefahr für den Träger, wie für dessen Umgebung werde. Daher kommt es zu Einzelvorschriften, die an sich betrachtet kleinlich erscheinen, aber im Zusammenhang ihre gute Begründung findend) Zu Mischna und Gemara sind zum Teil auch Midraschim herbeigezogen. Dies konnte umso eher geschehen, als aus diesen. Schriften der Geist des Talmud uns entgegenweht. Wenn auch zwischen der Entstehungszeit der Mischna und der so manchen Midrasch's einige Jahrhunderte liegen, so haben doch, wohl auch in anderer Beziehung, jedenfalls inbetreff des Ehrbegriffs die Anschauungen wenig gewechselt und dürften sich kaum Fälle Nachweisen lassen, die dem einen ehrenhaft, dem anderen als Gegenteil erschienen. Sie dürfen umsomehr zusammenbehandelt werden, als beide aus der Grundlage der Bibel ruhen und aus dieser einen Quelle schöpfen. Uebrigens ist die Zahl der aus den Midraschim angeführten Stellen eine geringe. Es ist auch nicht nötig, jedes Wort oder jede Stelle, die von Ehre handelt, herbeizuziehen und zu besprechen. Es wäre dies nicht nur eine mühselige, es wäre auch eine überflüssige Arbeit. Sind die Gesichtspunkte aufgestellt, so kommt es auf einen Fall mehr oder weniger nicht an. Der Wissende, oder wer sich für die Sache interessiert, wird einen hier und da vorkommenden Satz den aufgestellten Gesichtspunkten unterordnen können. Es ist bereits oben erwähnt worden, daß die Bearbeitung, die die Ehre in Mischna und Gemara gefunden, manches zutage förderte, das in der Bibel selbst nicht besprochen wurde oder nicht besprochen werden konnte, so z. B. die Ehre der Thora. Anderes, wie z. B. die Ehre des Sabbat, die der Schechina, obgleich die Bibel die Wichtigkeit des Sabbat genügend betont, hat eine bedeutende Erweiterung erfahren. ב) Man achte z. B. auf die Bestimmung Berach. 46—47. אין מכבדין אלא בפתח הראוי למזווה