Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 68

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1912-01-01
Page
Seite 68 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3111067-3111096-3115683--4047-3115767
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

68 beu führenden Geistern, sondern Jedem von selbst.auf, der für die Gemeinschaft fühlte. Menschen, deren Volkstum die Gewalt zerstört hat, die aber das Gefühl der Zusammengehörigkeit nicht aufgegeben haben, zudem die Hoffnung aus eine Restauration im Herzen tragen, müsserr nicht erst mit vorbedachten, Wohl ausgesonnenen Plänen bearbeitet werden, sie finden es selbst heraus, daß der Eine auf den Andern angewiesen ist, und daß die Bande zwischen den einzelnen Gliedern so enge als möglich zu ziehen sind. Was so in der Seele des Volkes letzte, lebte, vielleicht nur im verstärkten Grade, in den Seelen der Talmudlehrer, auch bei ihnen war es ein innerer Drang, dem sie, besser als die Menge, Worte und Ausdruck liehen. Zur Pflege des Familienlebens sollte auch die des - Geistes treten. Der Geistesschatz mußte geehrt, erhalten werden. Es ist die „Ehre der Thora", von der wir bereits sprachen. Diese wieder forderte, daß ihren Trägern, den Weisen, Gelehrten usw. Ehre zu teil werde. Stellt man nun die Frage, welcher Art der Ehre die Alten ihre besondere Aufmerksamkeit zuwandten, so erhält man die Antwort: jener, die Zeit und Verhältnisse förderten: der Familienehre und der der Thora, mit allen ihren Bedingungen und Folgen. Mischna, Gemara, Midrasch haben Wohl noch andere Arten Ehre in den Kreis ihrer Betrachtungen gezogen, einen großen Raum aber nehmen, neben der Gottesehre, auf die hinzuweisen sie nicht müde werden, die beiden genannten ein. Wenn, wie oben ausgeführt, die Ehre dazu diente, um das Volksbewußtsein zu erwecken und wo vorhanden, wach zu erhalten, so darf nicht angenommen werden, daß sie zu egoistischen Zwecken irgend welcher Art mißbraucht wurde. Es muß ausgesprochen werden, daß, soweit menschliches Tun überhaupt frei von Egoismus ist, es hier der Fall war. Es darf nicht außer acht gelassen werden, daß die Ethik der Talmudlehrer auf dem Grunde der Religion ruhte, die Bibel das erste Wort gesprochen und die Menschen auf die Ebenbildlichkeit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.