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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 66

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1912-01-01
Page
Seite 66 (sequence 4)
Language
German
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66 Werden; ist dieselbe aber eine bloß durch die Sitte überkommene, oder gar von außen befohlene, so daß obige Befürchtung gerechtfertigt ist, darf auf sie nicht verzichtet werden. Auf eine Definition des Begriffes der Ehre haben sich die Talmudlehrer nicht eingelassen. Sie setzten bei ihren Lesern Verständnis für diesen Begriff voraus, wandten ihn bei vorkommender Gelegenheit an und fragten nur, ob bei dessen Anwendung das Böse hintangehalten, das Gute gefördert, das religiöse Gefühl und Leben gefestigt würde. Es war die ethisch-religiöse Seite, auf die sie ihr Augenmerk richteten. Dabei muß besonders betont werden, daß es sich hier nicht, wie in der „Ehre der Bibel", um das Wort Kabod handelt, welchem Begriffe hie in Betracht gezogene Ehre unter- oder beigeordnet werden kann, welchen Begriff sie näher erklärt, sondern, daß es sich hier, wenn auch Hinweise auf verwandte Begriffe nicht ganz ausgeschlossen werden, hauptsächlich um die verschiedenen Anwendungen des Ehrbegriffs handelt, welchen Wert man darauf legte, der Ehre würdig zu fein. Es soll nach Möglichkeit im Einzelnen dargelegt werden, wie man zur Zeit der Entstehung der Mischna und Gemara in den maßgebenden jüdischen Kreisen über Ehre dachte, ob und in welcher Weise man sie anwandte, unbekümmert darum, ob der Ausspruch, die Erzählung, das Gebot das Wort „Ehre" enthält oder nicht. Der Inhalt, nicht das Wort soll entscheiden. Die Bedeutung des Wortes Kabod stand im allgemeinen den Talmudlehrern fest. So z. B. daß es unter Andern auch „Gott" bedeute. Der Gebrauch des Wortes in diesem Sinne ist ihnen geläufig. Wo sie den Namen Gottes nicht aussprechen oder schreiben wollten, sich dennoch veranlaßt, sahen, der Erhabenheit Gottes Ausdruck zu geben, wandten sie oft das Wort Kabod an. Wenn die Talmudlehrer, wo sich Gelegenheit zur Besprechung bot, keinen in der Bibel aufgestellten Punkt außer acht ließen, sind sie von den Verhältnissen doch

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