Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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- 61 — hebräische Literatur in der letzten Zeit einen Aufstiege vorläufig jedoch mehr quantitativ als qualitativ. Im Anschluß an die hebräische Literatur hätte man. auch die j.üdisch-deutsche besprechen können, da die jüdisch-deutsche Mundart soviel hebräische Elemente ausgenommen hat. Aber gerade diese Literatur wird immer weniger jüdisch, in dem Sinne, daß in ihr das Judentum behandelt würde. Erzählungen aus dem jüdischen Leben im Osten, für die sich die Sprache am besten eignet, sind im letzten Jahre nicht viel erschienen. Die beiden Klassiker der jüdisch-deutschen Sprache S. I. Abramowitsch („Mendele moicher Seforim“) und S. Rabbinowitz („Lobolsm aleichem“) zeigen sich jetzt bemüht, ihre volkstümlichen Erzählungen ins Hebräische zu übertragen oder übertragen zu lassen. * * Neuere jüdische Belletristik ist mir im letzten Jahre nicht viel zu Gesicht gekommen. Daß die jüdische Erzählung immer mehr abnimmt, ist eine zu oft besprochene Tatsache, die man verschiedenartig zu begründen versucht hat. Ich begnüge mich hier mit der Aufzählung der Erscheinungen auf diesem Gebiete, die mir bekannt geworden sind. Das Lehen und Wirken des Täufers Johannes hat E. Eggert zum Thema einer Dichtung gemacht („Der letzte Prophet"). Es ist dies die ewige Salome-Episode, an deren dichterischen Behandlung sich bereits viele versucht haben. Die Dichtung Eggers liegt bereits in 2. Auflage vor. Die Judithsage hat G. Kaiser zu einer „biblischenKomödie"verarbeitet. Es ist hiernichtder Ort, des längern auszuführen, daß sich biblische Stoffe zu einer solchen Art dichterischer Bearbeitung nicht eignen,, obgleich dies in der letzten Zeit schon versucht wurde. Das Verhältnis der vielbesprochenen jüdischen Prinzessin Berenike zu Titus, das bereits als Romanstoff benutzt wurde, ist jetzt in einem Drama „Titus und die Jüdin" von H. Kyser verwertet worden. Mit dem modernen jüdischen Leben beschäftigt sich ein Roman von M. Brod- „Jüdinnen"; der Dichter macht die in den Großstädten.