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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 59

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1912-01-01
Page
Seite 59 (sequence 39)
Language
German
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59 Die Belletristik wurde seit jeher in der hebräischen Sprache gut gepflegt, weil sie noch immer die meisten Leser findet. Bezeichnend sind die vielen Uebersetzungen aus fremden Sprachen, die aber oft einen sehr schlechten literarischen Geschmack verraten. Manche sehr gewagte schlechte französische Novelle findet durch die Uebersetzung ihren Eingang in das hebräisch lesende Publikum. Der Kuriosität halber möchte ich noch erwähnen, daß solche geschmacklosen Erscheinungen in — Jerusalem das Licht der Welt erblicken. Man hat den Eindruck, daß das Publikum „Lesefutter" wünscht, und dieses Bedürfnis wird durch „unternehmende" Buchhändler (eine besonders traurige Erscheinung in der neuen hebräischen Literatur) „befriedigt". Nur die hebräische Poesie bietet zur Zeit ein überaus erfreuliches Bild. Bon CH. N. Bialik, dem großen hebräischen Dichter, der bereits auch über den engeren Kreis des hebräisch lesenden Publikums hinaus bekannt ist, sind erschienen: „Volkslieder" (»lCsaobirs am“) und eine Sammlung „Chason u-massa“ (Vision und Prophetie). Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß auch diese neuen Gedichte den Dichter auf dem Höhepunkt seines Könnens zeigen. Sehr erfreulich ist es, daß die Gedichte Saul Tschernichowskys in einer neuen revidierten Ausgabe erschienen sind. Tschernichowsky verdient neben Bialik als hebräischer Dichter genannt zu werden; er ergänzt diesen in gewissem Sinne, da er westeuropäischer ist, wenn ich mich so ausdrücken darf. In seiner Dichtung offenbart sich mehr das moderne Leben. Er wurzelt nicht so sehr, wie Bialik, in der Vergangenheit, dafür aber neigt er weiter nach dem Westen hin; er pflegt somit eine andere Art des modernen jüdischen Lebens in derhebräischen Dichtung. Auch die Sammlung „Das Buch der Einsamkeit" (»Loker ha-bedidut“) von Jakob Steinberg enthält manche sehr schöne lyrische Schöpfungen. Ein neues, viel versprechendes Talent offenbart sich in der Gedichtsammlung „Jeschimon“ von D. Simonowitz. Von der erzählenden Dichtung wollen wir noch erwähnen die Erzählungen von M. M. Dolitzky: „Der Renaissance-

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