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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 57

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1912-01-01
Page
Seite 57 (sequence 37)
Language
German
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;s — 57 — Wickelungsfähigkeit — und somit auch von der Lebensfähigkeit — dieser Sprache. Das streng wissenschaftliche Buch hat deshalb eine gewisse Verwandtschaft auch mit der leichtesten Erzählung. Ich sage: mit der „leichtesten" Erzählung, denn im Westen hat man kaum eine Ahnung' davon, welche leichten, ja welche leichtfertigen Dinge jetzt in hebräischer Sprache behandelt werden. Ich muß aber gestehen, daß ich sie doch gerne lese — so wenig ich sonst ein Freund dieser Literaturgattung Lin — wenn sie schön geschrieben sind. Die hebräische Sprache hat doch ihren eigenartigen Reiz. Selbst der gewagteste Ausdruck verliert viel von seiner Gewagtheit, wenn er sich in das natürliche Kleid der hebräischen Sprache kleidet; die Form läßt oft den Inhalt vergessen.. Gute und wirklich künstlerische Schöpfungen gewähren den ästhetischen Genuß des Inhalts und der Form. Am schwächsten ist die wissenschaftliche Literatur in der hebräischen Sprache vertreten. Es fehlt nicht an guten Kräften, die Treffliches hätten leisten können; aber äußere traurige und innere noch traurigere Ursachen verhindern deren Entfaltung. Das Interesse für den Chassidismus, der in den letzten Jahren Mode geworden zu sein scheint, hat H. Zeitlin veranlaßt zwei Monographien auf diesem Gebiete zu veröffentlichen. Die Biographie des bereits vielgenannten Rabbi Nachman von Brazlaw und die des Rabbi Israel Baalschem, des Begründers des Chassidismus. Die Schriften Zeit- -lins zeichnen sich durch psychologisches Eindringen in den Charakter dieser eigenartigen Männer aus. Eine nützliche Arbeit leistete Eh. S. Margolius in seiner „Geschichte der Juden in Dubno" vom Jahre 1715 bis auf die Gegenwart. Ebenso trefflich ist eine Geschichte von China <,,Hasinim") von S. M. Perlmann; sie enthält am Schluß eine gute Darstellung über die Geschichte der Juden in diesem Reiche, wie auch über ihr Kulturleben in der Gegenwart. — Von der Agadasammlung („Sefer ha-agada“), die Eh. Rawnitzki und Ch. N. Bialikherausgegeben haben, ist nunmehr der 6. Band erschienen, der das ganze nicht genug zu empfehlende Werk abschließt.

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