Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 29)
- Language
- German
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49 modische Stoffe behandeln in ihren Schriften R. Leszynsky („Die Lösung des Antoninusrätsels") und L. G. Broughton über die Königsgleichnisse in Midrasch und Talmud („Kingdom parables and their teaching“). Mit der Frage des Antoninus, der im Talmud als der Freund des Rabbi Juda I. vielfach erwähnt wird, hat sich in der letzten Zeit S. Krauß eingehend beschäftigt. Leszynsky tritt nun mit der Behauptung auf, daß der Antoninus der Agada kein anderer sei als Antoninus Pius. So unwichtig diese Erörterung an sich erscheinen mag, hängt doch von dem Ergebnis die Beantwortung der Frage ab, wann Juda I. gelebt und die Mischna abgefaßt habe. Zieht man in Betracht, daß Juda Ikein hohes Alter erreicht hat,. so wird man die ganze Chronologie der Mischna und des Talmud umdatieren muffen,wenn man sich derAnsichtLeszynskys anschließt. Diese Frage weiter zu erörtern, muß ich mir hier versagen. Eine wichtige archäologische Studie bietet L. Blau in seiner Schrift: „Die jüdische Ehescheidung und der jüdische Scheidebrief", von der der erste Teil erschienen ist. Es ist dies eine gründliche und umfasiende Arbeit, die diese Einrichtung („Die Ehescheidung im Judentum") nach den Quellen und in ihrer Entwicklung beleuchtet. Auch Ausgaben von Mischna und Talmud verdienen erwähnt zu werden. Von der berühmten Talmudhandschrist in der Bibliothek zu München, die von den bedeutendsten Talmudforschern mit großem Erfolg bereits benutzt wurde, veranstaltet jetzt H. Strack eine photographische Ausgabe. Es ist dies ein großes Unternehmen, von dem bis jetzt nur Anfänge vorliegen. Die glückliche Beendigung dieses Werkes werden alle Freunde der talmudischen Forschung wünschen. Damit wird auch der in neuester Zeit entstandene Zweifel erledigt werden, wie weit der bekannte Gelehrte R. N. Rabbinowitz, der diese Handschrift zur Grundlage seines großen textkritischen Werkes gemacht hat, die Münchener Handschrift treu wiedergegeben habe. Die Arbeit von L. Goldschmidt, Text und deutsche Uebersetzung des babylonischen Talmuds, ist auch im letzten Jahre weiter gediehen. Es ist die dritte Lieferung vom 5. Band („Der Traktat Gittin") erschienen. 4