Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 28)
- Language
- German
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48 Man muß immer von Neuem gegen die irrige Meinung airkämpfen, als ob das Judentum eine bloße Altertumsforschung wäre. Dazu möchten es wohl seine Gegner und Verkleinerer machen. Da es sich niemals in die Fesseln eines Dogmenglaubens schlagen ließ, blieb es stets im Fluß der Entwickelung und jede Entwickelungsepoche hat ihre Literatur, in der sich die Zeitideen ausdrücken. Jüdische Schriftsteller und Denker, die das Judentum im Rahmen der Anschauungen ihrer Zeit behandelt haben, maßten sich nie an, die Wahrheit zu besitzen; sie traten vielmehr immer als Wahrheitssucher auf. Das verleiht der jüdischen Literatur, auch der älteren, einen besonderen Reiz, und wir lesen sie mit großem Interesse. Es sind dies menschliche Dokumente, Gedanken von Menschen, die nach den höchsten Idealen gestrebt haben. Auch in ihren Jrrtümern, vielleicht gar in diesen am meisten, erscheinen sie uns verehrungswürdigj und jedenfalls versuchen wir sie zu verstehen. Die Literatur des Judentums hat auch ihre Literaturgeschichte, die noch nicht abgeschlossen ist. Wir suchen unsere Denker und Schriftsteller aus den geistigen Strömungen ihrer Zeit zu verstehen. Von Arbeiten über ältere Epochen des jüdischen Schrifttums ist die englisch geschriebene Schrift zu erwähnen: „Old Testaments narratives“ von E. W. H. Stebbius und H. H. Saunderson. Von dem Werke L. Ginzbergs „The legends of the Jews“ ist der dritte Teil erschienen (enthaltend biblische Geschichten und Personen vom Exodus bis zum Tode Moses). E. G. King veröffentlichte: „Early religious poetry of the Hebrews“. In dieses Gebiet gehört auch die Schrift von E. Cantrell: „Bible and modern Literatuie“. Das monumentale Werk ,,Dalmudische Archäologie" von S. Krauß ist im letzten Jahre bis zum zweiten Bande gediehen (Schriften, herausgegeben von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums). Die vorliegenden zwei Bände, die 1442 Seiten Text und 64 Abbildungen enthalten, behandeln verschiedene Vorgänge und Einrichtungen der Juden im talmudischen Zeitalter: Wohnungen und Hausgeräte, Nahrung und ihre Zubereitung, Kleidung und Schmuck, Körperpflege, Familienleben, Landwirtschaft, Gewerbe, Verkehr und Handel. —, Tal-