Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111096-3115682--4016-3115737- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
-38 — alten Testament". Man findet in diesem kleinen Buche manche anregende Ausführungen und vor allem einen neuen Ton. Der Verfasser läßt den Messiasgedanken, den er für älter hält, als gemeinhin angenommen wird, nicht in der Erniedrigung Israels entstehen, sondern in der ewigen Sehnsucht der Menschen nach einem sittlichen Ideal. Der israelitische Messiasgedanke ist mit der prophetischen Idee innig verwandt und, was sehr wichtig ist, ebenfalls ein Produkt der religionsgeschichtlichen Entwickelung. Man wird der hier gegebenen Anregung nachgehen dürfen. Mit diesem Thema verwandt ist das Problem, mit dem sich E. Albert in seiner Schrift: „Die israelitisch-jüdische Auferstehungshoffnung in ihrer Beziehung zum Parsismus" befaßt. Mit der religiösen Vorstellung der Wiederauferstehung beschäftigt sich. Fr. Delitzs ch in seiner Schrift: „Das Land ohne Heimkehr". Zu erwähnen ist noch die Arbeit von A. Neuwirth, „Das Verhältnis der jüdischen Fasten zudem der alten Heiden"; R. Seeberg, „Nähe und Allgegenwart Gottes" mit einem Anhänge über die ältesten trinitarischen Formeln. Allerdings vertritt der Verfasser in dieser Schrift mehr die christliche Auffassung von der Nähe und Allgegenwart Gottes. Die unauflöslichen Beziehungen zwischen Judentum und Christentum, die nur Dilettanten vom Schlage Chamberlains in Abrede zu stellen versuchen konnten, sind auch im letzten Jahre in verschiedenen Schriften untersucht worden. Die Schrift des bekannten russischen Philosophen W. Solowjeff, des früh verstorbenen edlen Denkers und Menschenfreundes, „Judentum und Christentum", ist in einer guten deutschen Uebersetzung erschienen. Solowjeff gehört zu den wenigen Zeitgenossen, die die jüdische Moral in: Christentum ernst nehmen. Sehr wichtig für die Erforschung des Christentums in seiner ältesten Epoche ist die umfassende Arbeit A. Drews': „Die Zeugnisse für die Geschichtlichkeit Jesu, eine Antwort an die Schriftgelehrten mit besonderer Berücksichtigung der theologischen Methode" (2. Teil seines Werkes: „Christusmythe"). Der Verfasser geht allen so-