Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 7)
- Language
- German
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27 Apologie des Judentums — und nur eine solche wünschen wir — dessen richtige Erkenntnis und Erfassung. Die Religionsphilosophie des Mittelalters hatte zweifellos zum Teil auch große prinzipielle Mängel, indem sie dasJüdentum zuweilen inFormenhineinzuzwängen bemüht war, die ihm völlig fremd waren. Man muß' auch stets in Erwägung ziehen, daß die philosophischen Theorien von Zeit zu Zeit wechseln, während das Judentumals ethische Wahrheit unvergänglich ist. Aber selbst diese Jrrtümer waren der Erforschung des Judentums und dessen Vertiefung sehr förderlich. Es erfuhr dadurch eine Helle Beleuchtung, und viele große Gedanken der jüdischen Religionsphilosophie werden für die Zukunft ihren Platz in unserem Geistesleben behaupten. In diesem Sinne können wir den weiteren Ausbau der jüdischen Religionsphilosophie auch für unsere Zeit wünschen. Es sind einige gute Anfänge vorhanden. Man darf dabei niemals die Besorgnis hegen, daß die Religionsphilosophie immer nur einseitig sein werde, da sie von einem bestimmten philosophischen System ausgehen müsse. Die Vielseitigkeit, und mit ihr die wahre Auffassung des ethischen und philosophischen Gehalts des Judentums, wird schon herbeigeführt werden, wenn sich viele denkende Köpfe mit diesem Problem beschäftigen. Der Weg zur Wahrheit führt über den Irrtum, zumal wenn es sich um religiöse und ethische Wahrheiten handelt. * * * Der Ausgangspunkt des Judentums und damit auch des Christentums und des Islam ist und bleibt die Bibel, das Buch, das wie kein anderes in fremde Sprachen übersetzt wurde und seit Jahrtausenden der Gegenstand der Erforschung und der lebhaftesten Erörterung bildet. Wie viel auch bereits über dieses größte Buch geschrieben wurde, es wird immer klarer, daß wir noch weit vom Endziel — d. h. von der lückenlosen Kenntnis der Bibel — entfernt sind. Man muß noch viel lernen, um zu diesem Ziele zu gelangen, und vielleicht