Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 4)
- Language
- German
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24 Ich glaube dies freilich nicht. Ein Jahr ist kein großer Zeitabschnitt in der Geschichte, auch nicht in der Geschichte der Wissenschaften. Es können äußere, rein zufällige Ursachen die etwas kärgliche Ernte in diesem Jahre herbeigeführt haben. Kleinere Arbeiten werden oft übersehen, obwohl sie mitunter viel bieten, und größere gedeihen nicht von heute auf morgen. Vielleicht darf noch erwähnt werden, daß vieles in Zeitschriften, deren Zahl immer größer wird, zerstreut liegt. An sich haben die periodischen Erscheinungen gewiß ihre Berechtigung und ihren Nutzen; sie leisten Kleinarbeit und retten solches vom Untergange, das für größere Werke oder selbst kleinere selbständige Schriften nicht ausreicht. Sie verleihen auch den wissenschaftlichen Forschungen einen gewissen Grad von Lebendigkeit und von Aktualität; sie versinnbildlichen das Wachstum der Wissenschaft. Aber es läßt sich nicht leugnen, daß dadurch auch viele Kräfte zersplittert und dem Schassen entzogen werden. Auch verhindert die Zeitschriftenarbeit das Reifen großer Ideen und leitender Gedanken, die gerade auf dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums von großer Bedeutung wären. Wir dürfen nämlich bei allen Einzelheiten nicht den allgemeinen Gesichtspunkt verlieren: das Judentum in seinem Universalismus als einen großen Kultursaktor zu verstehen. In der letzten Zeit sind keine Aufsehen erregenden Entdeckungen in Bezug aus die ältere Geschichte Israels gemacht worden. Ich vermeide die Bezeichnung „sensationell", die vielleicht hier angebracht wäre. Wir haben es erlebt, daß wichtige archäologische Funde, die für die Bibelkunde und die jüdische Religionsgeschichte von großer Bedeutung waren, zu Sensationen benutzt wurden. An solchen Funden waren die letzten Jahre reich, und sie gaben Stoff zu neuen Forschungen, oder sie führten zu einer eingehenden Prüfung der bekannten Ergebnisse. Daß nunmehr alles abgeschlossen sei, kann nicht behauptet werden. Vieles erwarten wir noch von der nächsten Zeit. Zwei Tatsachen sind besonders hervorzuheben, weil sie ngch jeder Richtung von großer Wichtig-