Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 3)
- Language
- German
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und Was der gestrige Tag gebracht hat, wird schon heute über den Haufen geworfen. Es bleibt verwunderlich, daß die tatsächlichen Ergebnisse dieser Methode noch nicht entmutigend und abschreckend gewirkt haben. Es führen so viele Spuren in die textkritische Schule der Konjekturen, und so wenige aus ihr, Ueber S. D. Luzzatto ist man in den seltensten Fällen hinausgekommen. Also erschöpft ist die Wissenschaft des Judentums gewiß nicht. Es gilt noch immer, den Spuren der Entwicklung nachzugehen, die das Judentum im Laufe der Jahrtausende erfahren hat. Nicht einmal seine Hauptquellen sind endgültig erforscht, so sehr wir die bereits vorliegenden Arbeiten auf diesem Gebiete zu schätzen und zu würdigen wissen. Und dann erst die reiche und mannigfaltige Beziehung des jüdischen Volkes und des Judentums zu der Außenwelt. Den Universalismus des Judentums werden wir in seiner ganzen geschichtlichen Bedeutung erst dann erfassen, wenn uns dessen Einwirkung, die mittelbare wie die unmittelbare, auf die Kulturentwickelung der Menschheit in vollem Umfange bekannt sein wird. Es sind in der letzten Zeit wichtige Tatsachen zu Tage gefördert worden, die ein neues helles Licht auf die Beziehungen des jüdischen Volkes zu den älteren heidnischen und den jüngeren christlichen Völkern werfen. Dadurch erhält die ältere und die neuere jüdische Geschichte ein ganz anderes Aussehen. Und schließlich muß ja immer in Betracht gezogen werden, daß wir es mit der Geschichte und dem Geistesleben eines Volkes zu tun haben, das sein Dasein auf geschichtlichem Boden nach Jahrtausenden zählt. Dieses Volk hat in seiner Jugendzeit die alten Kulturstaaten gesehen, das Pharaonenreich wie die babylonisch-assyrische Weltmacht, und während es dann das Aufblühen und den Niedergang der andern geschichtlichen Völker erlebt hat, ist es zu allen in Beziehungen getreten; es hat gelernt und gelehrt, und das eine war für die menschliche Gesittung so heilsam wie das andere. Nun kann ja angenommen werden, daß das Interesse für diese Forschungen in Abnahme begriffen sei.