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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 18

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Rückblick auf das Jahr 5671
Date
1912-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 — vom Jahre 1900. Ebenso ging es in Sibirien, dem Kaukasus zu. Selbst von den großen Messen in Nischnij- Nowgorod, an denen die Juden sogar unter Nikolaus I. teilnehmen durften, werden sie jetzt durch polizeiliche Willkür ausgeschlossen. Man behandelt sie als Vogel-- freies Wild, das die Polizei nach Belieben jagen und ansbeuten kann. Das neue Gesetz, das die Sonntagsruhe einführt/ erstreckt sich auch auf die Juden und Mohammedaner. Vergebens hatte die .freisinnige Minderheit in der Reichsduma beantragt, diese beiden zahlreichen Kategorien von dem Gesetze auszunehmen, die Mehrheit verwarf diesen gerechten Vorschlag. Wenn man nun bedenkt, daß die jüdischen kleinen Kaufleute und Handwerker, die alle den Sabbat sowie die vielen israelitischen Feiertage streng beobachten, die aber buchstäblich von der Hand in den Mund leben, nun gezwungen sind, an noch weiteren sechzig Tagen des Jahres müßig zu bleiben, so kann man sich eine Vorstellung von dem Elend und Hunger machen, die das neue Gesetz über Hunderttausende von Familien verhängt. 1 Auch gegen die Entwickelung der von den russischen Machthabern so sehr gefürchteten jüdischen Intelligenz schreiten diese systematisch ein. Man hält die Juden, bis aus einen kleinen Bruchteil, von den allgemeinen Schulen, von den Elementar- bis zu den Hochschulen, hinauf, entfernt. Wenn sie selber Schulen gründen, so schließt man solche oder macht doch tatsächlich ihr Fortbestehen unmögliche Ihre Literaturvereine werden verboten. Die Feindschaft gilt nicht dem Glauben, sondern der Rasse. Die getauften Juden werden vielfach denselben Beschränkungen unterworfen, wie die dem Glauben ihrer Väter treu gebliebenen. Allerdings, scheint die christliche „Ueberzeugung" bei den getauften Juden Rußlands nicht tief zu wurzeln, feit der Einführung der Freiheit des Glaubensbekenntnisses (1905) sind nach den offiziellen Listen 4000 Täuflinge zum Judentum zurückgekehrt — tatsächlich sind es selbstverständlich noch viel mehr. .

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