Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5671
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
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Endlich sind die Judenfeinde dazu vorgeschritten, wie einst König Friedrich Wilhelm IV., die Israeliten -aus dem Heere ausschließen und ihnen damit das Kainszeichen vaterlandsloser Gesinnung auf die Stirn brennen zu wollen. Die Landesverteidigungskommission der Reichsduma machte deren Plenum diesen Vorschlag, „in der Erwägung, daß die Juden auf das Heer zersetzend wirken und ein für dieses besonders schädliches Element bildeten" — ohne einen Schatten des Beweises, vielmehr im schreienden Widerspruche zu dem Heldenmut, den gerade die jüdischen Soldaten in dem Japanischen Kriege bewährt haben. Der Vorschlag der Kommission ries unter den russischen Israeliten, die ihre Gegner als antimilitaristifch verleumden, großen Unwillen und lebhafte Gegenpetitionen an die Duma hervor, die glücklicherweise den Antrag mit beträchtlicher Mehrheit verwarf. Die Regierung aber ist es, die durch ihre Beamten, ihre offiziösen Zeitungen und durch Flugblätter, die aus ihren Druckereien hervorgehen, den Judenhaß unter der Bevölkerung anregt und beständig anfeuert. Und dann beruft sie sich auf die Abneigung des Volkes gegen die Juden. . ' Selbst auf das Ausland erstreckt sich die Bekämpfung der Juden durch die russische Regierung. Das französische Ministerium beabsichtigte, den jüdischen General Valabregue zum Oberbefehlshaber des ganzen Heeres zu ernennen — da protestierte Rußland gegen eine solche Wahl, damit seine — bekanntlich ruhmbedeckten — Feldherren im Kriegsfälle nicht mit einem Juden zusammen zu arbeiten hätten. Und das republikanische Frankreich war schwach genug, um dem „Verbündeten" den hervorragenden Heerführer zu opfern. An der Stelle des durch einen Geheimpolizisten ermordeten Stolypin ist der Finanzminister Kokowzow zum Premierminister ernannt worden. Selbstverständlich ist er ein Reaktionär. Er hat auch vor einigen Monaten einem Interviewer erklärt, daß „bei der in der Bevölkerung herrschenden Abneigung gegen das revolutionäre Gebühren der Juden" eine grundsätzliche Besserung ihrer Verhältnisse