Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5671
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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15 Kolonisation in der Türkei. Dieselbe hat, wir sagen es mit wahrem Schmerzgefühl, zunächst nicht die mindeste Aussicht auf irgend eine Weiterentfaltung. Dagegen erfreuen die einheimischen Israeliten sich fortgesetzt des Schutzes der osmanischen Regierung. In dem durch Aufstände zerrissenen Ueinen — Südarabien — haben die Behörden sowie Offiziere und Soldaten während der militärischen Operationen die Juden auf das beste und wohlwollendste behandelt und sie vor der Wildheit und Grausamkeit der dortigen fanatischen Araber exrettet. Nur die feste Begründung der türkischen Herrschaft in diesen Gegenden kann den yemenitifchen Juden Sicherheit des Lebens und Eigentums sowie ein menschenwürdiges Dasein verbürgen. Der islamitische Fanatismus hat sich leider auch in Persien wieder geltend gemacht, dessen Verfassung dem Namen nach den Israeliten volle Gleichberechtigung gewährt. Die in dem unglücklichen Lande herrschende blutige Anarchie hat es wilden Stämmen erlaubt, in der Stadt Schiras ein förmliches Pogrom zu veranstalten, an dem sich, ganz nach russischem Muster, auch die Soldaten beteiligten. Ergebnis: 12 Juden getötet, 50 verwundet, der Rest — an 6000 — vollständig ausgeraubt. Die „Alliance" hatpekuniäreHilsegewährtuud den französischen Gesandten in Teheran um Beistand gebeten. Aber weder dieser noch das sofort freiwillig gewährte Einschreiten der englischen Diplomatie können helfen, da Persien tatsächlich der wirksamen Regierung entbehrt. Nur die Herstellung geordneter Zustände kann hier Abhilfe schaffen, und solche ist nur wahrscheinlich bei dem Eintritte eines europäischen Protektorats. Das gilt auch für das Schmerzenskind der Diplomatie, für Marokko. Wenn hier, was ja wahrscheinlich ist, die französische Vorherrschaft sich einsetzt, nur dann werden die dortigen Israeliten aus schmählicher Knechtschaft und steter Unsicherheit erlöst werden. Vom deutschen Standpunkte aus kann man mit der Begründung des französischen Protektorates in Marokko unzufrieden sein — und sie bedeutet in der Tat nicht gerade einen deutschen