Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5671
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14 der ausgesprochenen Absicht, aus ihnen höhere Verwaltungsbeamte zu entnehmen. Nur in einem Punkte zeigt diese Regierung sich überaus ängstlich: wenn es sich darum handelt, neben allen den verschiedenen Nationalitäten, die schon die Einheit des osmanischen Reiches gefährden, noch eine jüdische Nation entstehen zu lassen. Das will sie unter keinen Umständen dulden. Deshalb ist sie, mit Recht oder mit Unrecht, eine grundsätzliche Gegnerin des Zionismus. In ihrer Besorgnis, eine geschlossene jüdische Masse in Palästina sich bilden zu sehen, widersetzt sie sich leider einem weiteren Anwachsen der jüdischen Kolonisation in dem Lande unserer Väter. Sie erweist bei jeder Gelegenheit ihre Freundschaft für die in der Türkei geborenen Israeliten; aber sie will überhaupt keine jüdische Einwanderung in größeren geschlossenen Mengen mehr zulassen. Dieses Uebelwollen erstreckt sich höchst beklagenswerter Weise noch über Palästina hinaus auf alle Teile des Reiches. Sie findet dabei die Zustimmung des türkischen Volkes. Man darf nicht vergessen, daß die im osmanischen Reiche vollzogene Umwälzung zum großen Teile eine Wiedergeburt des Islam in ihm bezweckt. Die beiden mohammedanischen Hauptrassen in demselben, die türkische und die arabische, wollen sich in die Herrschaft teilen und widerstreben deshalb dem Aufkommen eines weiteren, des jüdischen Elementes neben dem christlichen, das schon so viel Stärke besitzt. Diese Dinge kamen auch in der Kammer wiederholt zur Sprache, und da man die Juden im allgemeinen zu treffen sich scheute, wandte man sich mit großer Schärfe gegen den Zionismus. Der Minister des Innern erklärte, er werde keineswegs die Bildung zionistischer, mit politischen Zwecken verbundener Kolonien erlauben. Das zionistische Aktionskomitee in Köln hat zwar eine Erklärung erlassen, die zur Beruhigung der leitenden türkischen Kreise über seine Absichten bestimmt ist. Aber es steht zu unserem Bedauern nicht zu hoffen, daß jene von ihrer einmal gefaßten Meinung in diesem Punkte zurückkommen werden— zum großen Schaden der so verheißungsvollen jüdischen