Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5671
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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13 gangenen Herbst haben die Wahlen im Staate Neu-Süd- Wales zwei Juden, in das dortige Parlament entsandt. In denVereinigten S taaten von Nord-Amerika gilt auf politischem Gebiete — allerdings nicht auf gesellschaftlichem — der Grundsatz unbedingter Gleichwertigkeit aller konfessionellen Gemeinsamkeiten nach wie vor in vollstem Umfange. Allerdings haben einige amerikanische Offiziere sich gegen jüdische Kameraden antisemitische Kundgebungen zu schulden kommen lassen; aber sie haben in allen Kreisen, auch bei dem Kriegs- und dem Marineminister lebhafteste Mißbilligung gefunden, und eine sofort veranstaltete Enquete hat erwiesen, daß unter den 330 Offizieren des Marinekorps sich nicht weniger als 30 Juden befinden, die sich hoher Achtung und Beliebtheit erfreuen. Die jüdischen Mitglieder des Senats und des Repräsentantenhauses sind mit rühmenswerter Tatkraft vorgegangen und haben die Ausmerzung der schuldigen Offiziere aus dem Dienste der Vereinigten Staaten gefordert. Die große Republik jenseits des Wassers wird, trotz der Ausschreitungen einzelner Militaristen, in löblichster Weise ihre Ueberlieferung des gleichen Rechtes für alle, ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses, auch weiterhin betätigen. Auch in der neuerdings dem konstitutionellen Leben gewonnenen Türkei herrschen diese Grundsätze. Der Sultan wie die Minister haben bei Gelegenheit des israelitischen Neujahrsfestes den Juden Glückwünsche und die Versicherung wohlwollendster Gesinnung ausgesprochen. In den Senat wurde ein zweiter Jude als Mitglied berufen. Juden nehmen hohe Stellungen in den verschiedensten Zweigen der osmanischen Verwaltung ein; der eine sogar als Schulinspektor der kleinasiatischen Inseln. Man denke sich: ein Jude als Inspektor christlicher und mohammedanischen Unterrichtsanstalten! Bei uns wäre ähnliches nicht möglich. Die türkische Regierung betreibt mit allem Eifer den Eintritt israelitischer Zöglinge in die türkischen Schulen, nicht nur um sie zu wahren Bürgern ihres Reiches zu erziehen, sondern mit